Eingerichtet hat von Hagens sein Plastinarium in der früheren Tuchfabrik „Gubener Wolle“ auf einer Fläche von insgesamt 2500 Quadratmetern. In einem Teil davon war bis zum Sommer das Gubener Rathaus untergebracht. Für Einheimische ist der Weg ins lichte Foyer des Plastinariums also nicht ungewohnt. Jetzt ist es erweitert und empfängt ihn mit einer Ausstellung über die Geschichte der Anatomie und die Plastination, die von Hagens entwickelt hat. Der Abriss verweist auf systematische Sektionen (Leichenöffnungen) in der ägyptischen Stadt Alexandria um 300 vor Christus und auf praktizierende Anatome wie Leonardo da Vinci, Andreas Vesal oder Bernhard Albinus.
So eingestimmt, hebt sich für das zahlende Publikum der Vorhang zu dem, was von Hagens „das anatomische Theater der Moderne“ nennt. Wo früher die Gubener Bibliothek und zeitweise eine Diskothek zu Hause waren, öffnet sich der Blick in die weite Halle der Schauwerkstatt. An sieben Werkstattbereichen sehen bis zu 5000 Besucher täglich, wie jene Plastinate von Menschen- und Tierkörpern entstehen, die durch von Hagens' Körperwelten-Ausstellungen weltweit bekannt sind.
Wer durch die Werkstatt wandert, muss allerdings stärkere Nerven mitbringen, denn er sieht dem Tod schon vor dessen Verwandlung in ein "ästhetisches Kunstwerk" ins Auge. Den Leichen von Spendern, welche zu Lebzeiten ihren Körper dem Institut für Plastination in Heidelberg vermacht haben, wird zunächst Formalin in die Arterien gepumpt, um den Verwesungsprozess zu stoppen. Danach werden Haut, Fett- und Bindegewebe vorsichtig entfernt, um die anatomischen Strukturen freizulegen - bis zu 1000 Stunden kann dieser Prozess dauern.
Die eigentliche Plastination beginnt mit dem Entzug des Körperwassers und der Fette. Dafür wird die Leiche in ein eiskaltes und später erwärmtes Bad aus Azeton gelegt. Die Chemikalie lässt von Hagens in Guben selbst produzieren.
Im nächsten Schritt wird das Azeton in einer Vakuumkammer durch flüssigen Kunststoff, etwa Silikonkautschuk ausgetauscht, der später ein Modellieren der Plastinate ermöglicht. Erst zum Schluss werden sie mit Gas, Licht oder Wärme gehärtet.
Hauptprodukt der Gubener Werkstätten werden jedoch Scheibenplastinate sein, bei denen - auch das kann der Betrachter miterleben - die gehärteten Körper in transparente Scheiben geschnitten werden. Solche Plastinate werden laut von Hagens für medizinische und Lehrzwecke stark nachgefragt.
An die Werkstatt schließt sich ein abgedunkelter Ausstellungsraum an, in dem - gut ausgeleuchtet und in Szene gesetzt - die jeweils neuesten Plastinate vor ihrer Reise zu den „Körperwelten“ zu sehen sind. Ein Schaustück wird bei der morgigen Eröffnung wohl das stärkste Interesse auf sich ziehen - eine totenstarre Pokerrunde. Von Hagens hatte sie eigens für den neuen James-Bond-Film „Casino Royale“ entworfen, der am 23. November die deutschen Kinos kommt.