Die Mehrheit der Bundesbürger hat eher kein Vertrauen in europäische Institutionen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gestern auf ihrer in Magdeburg tagenden Synode vorstellte. Von 2000 Befragten äußerten demnach 53 Prozent "eher kein Vertrauen" in EU-Institutionen zu haben. 39 Prozent erklärten, eher Vertrauen in die EU zu haben.

Zudem wurde in der Umfrage deutlich, dass viele Bundesbürger der Ansicht sind, dass Europa offenbar nur der Wirtschaft dient. Arbeitslose und Rentner profitierten dagegen aus Sicht der Studienteilnehmer am wenigsten von Europa, sagte der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD, Gerhard Wegner. So erklärten 86 Prozent der Befragten, dass Unternehmen von der Union profitierten. 81 Prozent sahen die Finanzwirtschaft als Gewinner an. Hingegen erklärten nur 21 Prozent an, dass Geringverdiener und 18 Prozent, dass Sparer von der Europäischen Union profitierten. 87 Prozent sprachen sich für eine stärkere Bekämpfung von Armut und sozialer Ungleichheit in der EU aus.

Die insgesamt 22 Millionen evangelische Gläubige vertretenden Kirchenparlamentarier bereiten derzeit eine Resolution zum Thema Europa vor. "Jeder sieht, dass es Europa nicht gut geht", sagte die Präses der Synode, die frühere FDP-Bundesministerin Irmgard Schwaetzer. Zu Gast auf der Synode war deswegen der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD). Seiner Ansicht nach sei das Christentum "nicht mehr etwas Bindendes oder Verbindendes in Europa". Europa habe keinen Grundkonsens mehr in der Frage, was ihm die christliche Tradition auferlegt. "Wir erleben Staats- und Regierungschefs, die unter Bezugnahme auf das Christentum die Abschottung praktizieren", sagte Roth. "Ich habe im Blick auf eines unserer größten Nachbarländer nicht den Eindruck, dass das, was der Papst sagt, auf Widerhall stößt."