ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:39 Uhr

Grünstrom bringt Lausitzer Netz an seine Grenzen

Ein Strommast steht in Berlin. Foto: Christoph Schmidt/Archiv
Ein Strommast steht in Berlin. Foto: Christoph Schmidt/Archiv
Cottbus. Der nötige Ausbau der Stromnetze hält mit dem Bau immer neuer Anlagen für erneuerbare Energie nicht Schritt. Als Folge davon muss immer häufiger die Stromerzeugung gedrosselt werden. Das ist teuer. Simone Wendler

Trotz steigender Investitionen für Ausbau und Verstärkung von Stromleitungen gerät das regionale Stromverteilnetz der Mitteldeutschen Stromnetzgesellschaft Mitnetz Strom, einer Tochtergesellschaft von EnviaM, immer stärker unter Stress. Das zeigen aktuelle Zahlen nötiger Regulierungseingriffe.

2015 musste 534-mal die Einspeisung von Strom gedrosselt werden. 2014 betrug die Zahl dieser Eingriffe nur 188. Am stärksten war davon das Netzgebiet in Südbrandenburg betroffen. 290 Millionen Euro wurden 2015 in das EnviaM-Netz investiert, 30 Millionen mehr als 2014.

Ursache des drastisch steigenden Stresses im Netz ist die hohe Zahl von Erzeugern aus erneuerbaren Quellen, die Elektroenergie in das Regionalverteilernetz einspeisen. "Einige Erzeuger mussten wir im vorigen Jahr tagelang vom Netz nehmen", so Adolf Schweer, technischer Geschäftsführer der Mitnetz Strom.

Für die nötige Drosselung der Anlagen werden die Betreiber entschädigt, was Kosten verursacht, die in den Strompreis für Verbraucher eingehen.

Deutlich angestiegen sind im vergangenen Jahr auch die nötigen Regulierungsmaßnahmen zur Sicherung der Strom-Übertragungsnetze in Deutschland. Der ostdeutsche Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz beziffert die Kosten für Eingriffe zur Abwendung eines Blackouts im vorigen Jahr auf rund 300 Millionen Euro. Für alle vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber werden diese Kosten in 2015 auf rund eine Milliarde Euro geschätzt.

Wegen der Engpässe beim Transport von Windenergie von Nord- nach Süddeutschland wurde im Dezember vorzeitig ein Teil der Südwest-Kuppelleitung von Sachsen-Anhalt nach Bayern in Betrieb genommen. Planmäßig sollte das erst 2016 erfolgen. Nach Angaben von 50Hertz sollte damit noch vor der kritischen Winterzeit die Netzstabilität in Nordbayern verbessert werden. Außerdem soll die Leitung auch die Kosten für Netzregulierungen begrenzen helfen. Schwerpunkte der Erzeugung von Grünstrom, vor allem von Windenergie, sind Nord- und Ostdeutschland.