Der Rauswurf von CTK-Chefin Heidrun Grünewald könnte für das Klinikum - eine 100-prozentige Tochter der Stadt - teuer werden. Nach RUNDSCHAU-Informationen soll die am vergangenen Freitag mit sofortiger Wirkung freigestellte Geschäftsführerin noch einen Vertrag bis 2016 haben. "Wir führen derzeit Gespräche mit der anwaltlichen Vertretung von Frau Grünewald", sagte der Chef des CTK-Aufsichtsrates und Cottbuser Finanzbürgermeister, Holger Kelch (CDU), der RUNDSCHAU.

Wie teuer der Wechsel an der Spitze des Krankenhauses wird, steht noch nicht fest. Die Mitglieder des Aufsichtsrates geben sich zugeknöpft. Anfragen hierzu bleiben unbeantwortet. Nach RUNDSCHAU-Informationen soll das Jahreseinkommen von Grünewald (Jahrgang 1954) zwischen 150 000 und 200 000 Euro liegen. Stimmt das, wäre das ein übliches Einkommen für Unternehmen dieser Größe.

Konservativ geschätzt würden einem so bezahlten Klinik-Chef also wenigstens 500 000 Euro Restlohn zustehen. "Diese Trennung kostet etwas", sagt ein Aufsichtsratsmitglied, das aber nicht genannt werden will.

Vergangenen Freitag hatte Kelch verkündet, dass die umstrittene CTK-Chefin gehen muss. Das war das Ergebnis einer stundenlangen Aufsichtsratssitzung. Die Entscheidung fiel einstimmig. Grund war die Kritik aus der Ärzteschaft an Grünewalds Führungsstil. Und das, obwohl die Geschäftsführerin gute Zahlen vorweisen konnte. Das Krankenhaus (2300 Angestellte) erwirtschaftete 2012 einen Überschuss von 3,3 Millionen Euro.

Seit Monaten rumort es aber an Brandenburgs größtem Krankenhaus. Vorläufiger Höhepunkt waren mehrere offene Briefe von Chef-, Ober- und Assistenzärzten. Darin kritisierte die Belegschaft den Führungsstil der Klinikleitung. Der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) hatte daraufhin die Lösung des Konflikts zur Chefsache erklärt. Es folgten mehrere Krisen- und Aufsichtsratstreffen.

Wie Insider bestätigen, hatte die Klinik-Chefin ein Angebot abgelehnt, dass die Geschäftsführung erweitert wird. Im Gespräch war ein zusätzlicher medizinischer Geschäftsführer. Tatsächlich soll vergangenen Freitag ein weiteres Ultimatum aus der Ärzteschaft Grünewald zu Fall gebracht haben. In einem Brief sollen Mediziner (auch Chefärzte) mit Weggang gedroht haben, wenn Grünewald bleiben sollte.

Eine Entscheidung, wie die künftige Führungsstruktur aussehen wird, soll bei der Aufsichtsratssitzung am 20. September fallen. "Es wird einen Übergangsgeschäftsführer geben", sagte Kelch. In der Zwischenzeit soll bundesweit nach einer dauerhaften Neubesetzung gesucht werden.

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Für eine spektakuläre Kündigung musste Cottbus schon einmal viel Geld hinlegen. Mitte 2006 erklärte das Cottbuser Landgericht den Rauswurf des ehemaligen Stadtwerke-Chefs Eberhard Walter für unwirksam. Begründung: Die damalige Oberbürgermeisterin Karin Rätzel (parteilos) habe selbstherrlich und - im Gegensatz zur CTK-Entscheidung - ohne Zustimmung des Aufsichtsrates gehandelt. Für Gehalt und Altersbezüge Walters wurden 450 000 Euro fällig.