Bereits am Freitag meldete sich einer der Hauptkritiker, der Schriftsteller Ralph Giordano, zu Wort. Die geplante Zentralmoschee sei wegen ihrer Dimensionen eine Machtdemonstration des Islam und die Entscheidung des Kölner Stadtrats integrationsfeindlich, sagte er. Auch andere Kritiker hatten das Vorhaben als überdimensioniert kritisiert und gewarnt, mit dem Moschee- und Gemeindezentrum werde eine Parallelgesellschaft zementiert.

Schlankere Minarettform
Auf eine Reduzierung der Gebäudehöhen wollten sich jedoch weder die DITIB noch Architekt Paul Böhm einlassen. Stattdessen verkleinerten sie die geplanten Gewerbeflächen, die den Einzelhändlern in Ehrenfeld Sorge bereiten, und entschieden sich für eine schlankere Minarettform. Die Moschee soll eine 35 Meter hohe Kuppel und zwei 55 Meter hohe Minarette erhalten. Auf mehreren Etagen in dem Gebäudekomplex entstehen Büros, Veranstaltungsräume und Läden.
"Wir bauen hier für alle Kölner - nicht nur für die Muslime", betonte der DITIB-Vorsitzende Sadi Arslan. Ali Kizilkaya, Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, wertete die Stadtrats-Entscheidung als wichtiges Signal, dass Muslime in Deutschland das Recht hätten, würdige Gebetshäuser zu bauen. "Wenn Muslime ein Teil dieser Gesellschaft sind, wie der Bundesinnenminister sagt, dann gehören Moscheen dazu", sagte Kizilkaya. "Das ist ein Teil von Deutschland."
Auch die evangelische Kirche begrüßte den vorläufigen Schlusspunkt unter die Auseinandersetzung, ob die Moschee wie vorgesehen gebaut wird. Die Muslime machten mit dem repräsentativen Bau deutlich: "Wir sind hier, wir wollen uns auf Dauer auch hier einrichten und dieses Land mit gestalten", sagte der Präses der rheinischen Kirche, Nikolaus Schneider. An der Höhe der Minarette stört er sich nicht: "Den freundlichen Umgang miteinander und Religionsfreiheit kann man nicht in Metern bemessen."
Die evangelische Kirche in Köln wünscht sich künftig mehr Kommunikation und weitere Vertrauensbildung. In der Vergangenheit sei "vieles nicht gut gelaufen", sagt der stellvertretende Stadtsuperintendent, Pfarrer Rolf Domning.
Auch parteipolitisch dürften die Konflikte um den Moscheebau in Köln weitergehen. So stimmte die CDU gegen das Projekt in den vorgesehenen Dimensionen und wandte sich damit gegen ihren Oberbürgermeister Fritz Schramma, Träger des Genc-Preises für Integration und vehementer Befürworter des Baus. "Ich glaube, dass wir hier in wenigen Jahren von einer kölschen Moschee sprechen werden", sagte Schramma vor der Abstimmung. Ein wichtiger Bestandteil einer gelingenden Integration sei, dass die rund 120 000 Muslime in Köln ein offenes und würdiges Haus als Ort des Gebets hätten.

Proteste gegen Hetzveranstaltung
Erwartungsgemäß stimmte auch die rechtspopulistische Wählervereinigung "Pro Köln" mit Nein. Sie will Mitte September einen "Anti-Islamisierungskongress" abhalten. Pfarrer Domning spricht von einer "rechtsradikalen Hetzveranstaltung", die Ängste vor dem Islam schüren solle. Gegen den Kongress sind bereits Proteste geplant.
Gegen die andauernde Kritik an Integrationsdefiziten türkischer Migranten betonen DITIB-Vertreter immer wieder, dass in ihren Räumen Deutsch- und Fortbildungskurse stattfinden. Der Verband, der eng mit der türkischen Religionsbehörde verbunden ist, wirbt seit Jahren für ein friedliches Zusammenleben. Dem Dachverband gehören bundesweit rund 880 Vereine ein, die meisten davon Moscheen.

Zum Thema Moschee mit Läden
 Die Großmoschee in Köln soll zwei 55 Meter hohe Minarette und eine knapp 35 Meter hohe Kuppel erhalten, auch Büros und Läden sind vorgesehen. Der Moscheekomplex ersetzt dann ehemalige Fabrikräume, die der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) seit mehr als 20 Jahren als Gebetsstätte und Verwaltungszentrale dienen. Der Verband, der eng mit der türkischen Religionsbehörde verbunden ist, hatte seine Pläne im März 2006 vorgestellt, nachdem Gespräche über eine gemeinsame Moschee aller Islam-Verbände gescheitert waren. "Wir bauen hier für alle Kölner - nicht nur für die Muslime", betonte der Vorsitzende der Türkisch-Islamische Union, Sadi Arslan.