Laut der Studie zur Energieumstellung sind in Brandenburg derzeit erst zehn Prozent der Einfamilienhäuser energetisch saniert. In den Plattenbauvierteln der Vorstädte sind es 70 Prozent der Gebäude. Während bereits im März veröffentlichte Teilergebnisse der Studie deutlich machten, dass bis zum Jahr 2030 eine komplette Umstellung der Stromversorgung der Region auf erneuerbare Energien möglich sei, sei das bei der Wärmeversorgung nicht vorstellbar, so Studienautor Prof. Jochen Twele vom Berliner "Reiner Lemoine-Institut". "2030 werden wir nur 57 Prozent unseres Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energien decken können." Größtes Problem sei dabei die Heizungsenergie, die unsanierte Gebäude zusätzlich verbrauchen, weil zu viel Wärme in die Umgebung abgegeben werde.

Wie Grünen-Landtagsfraktionschef Axel Vogel erklärte, seien die privaten Wohnungen der "Dreh- und Angelpunkt" für eine nachhaltige Verringerung des Kohlendioxidausstoßes. "90 Prozent des Energieverbrauchs eines privaten Haushalts geschieht durch Wärme", so Vogel. Derzeit würden pro Jahr etwa 0,7 Prozent des Gebäudebestands saniert. "Bei dem Tempo sind wir auch in 100 Jahren noch nicht am Ziel", so Vogel. "Hier gibt es die dringliche Notwendigkeit zu handeln." Würde die Sanierungsrate auf zwei Prozent pro Jahr erhöht, würden 2030 rund 3,8 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid ausgestoßen. Scharfe Kritik übte Vogel an der Landesregierung, die die etwa für Energieberatungen in den Kommunen zur Verfügung stehenden Landesmittel von 700 000 Euro auf 200 000 Euro pro Jahr zurückfahren will. "Hier braucht es eine bessere Zusammenarbeit zwischen dem Land und den Kommunen."

Der energiepolitische Sprecher der Berliner Abgeordnetenhausfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Michael Schäfer, nannte es eine wichtige Herausforderung, dafür zu sorgen, dass die Kosten für die Sanierung von Mietwohnungen am Ende nicht auf die Mieter abgewälzt würden. Dennoch würden auch Geringverdiener von einer energetischen Sanierung ihrer Wohnungen profitieren: "Gerade für Menschen aus den unteren Einkommensklassen machen die Energiepreise einen erheblichen Teil des Haushaltseinkommens aus." Das gemeinsame Ziel der Grünen-Fraktionen in Berlin und Brandenburg sei es, den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Kohleverstromung und einen gemeinsamen Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien zu erreichen.