Über eine Koalitionsaussage wird jedoch weiter gestritten. Die Grünen haben als erste Bundestagspartei ihre Wahlaussagen für den Urnengang im Herbst zu Papier gebracht. Der Entwurf sei als "Gesamtvorschlag für eine neue Zeit" zu verstehen, schwärmte Özdemir. Demnach soll sich nicht nur ökologisch alles zum Besseren wenden, sondern auch wirtschaftlich und sozial. Eine Million neue Jobs versprechen die Grünen. Zur Bekämpfung der Krise will man eine zeitlich befristete Vermögensabgabe einführen. Wer davon in welchem Maße betroffen wäre, bleibt aber offen. Auch soll der allgemeine Spitzensteuersatz von 42 auf 45 Prozent steigen. Gegenwärtig ist dieser Satz als "Reichensteuer" nur auf Einkommen ab 250 000 Euro (Ledige) beziehungsweise 500 000 Euro (Verheiratete) fällig. Zugleich sprechen sich die Grünen für einen flächendeckenden Mindestlohn aus. Auch hier fehlen allerdings die Details. Darüber hinaus soll der Regelsatz für Hartz-IV-Empfänger von 351 auf 420 Euro steigen. Der Abbau des Ehegattensplittings soll den Ausbau der Kinderbetreuung finanzieren. Die Entscheidung ist einem Parteitag im Mai vorbehalten. Selbst das schönste Papier taugt allerdings herzlich wenig, wenn es an Mehrheiten für seine Umsetzung mangelt. Die beiden grünen Spitzenkandidaten Jürgen Trittin und Renate Künast hatten sich deshalb für die Formulierung einer Machtoption stark gemacht: Eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP sollte das Oppositionsdasein der Partei beenden. Aber die Basis stellt sich quer. Vor allem aus Nordrhein-Westfalen hagelte es Proteste. Der mächtigste Landesverband hält eine frühe Wahlaussage unter Einschluss des liberalen Erzrivalen für "strategisch falsch". Auch die grüne Fraktionschefin im sächsischen Landtag, Antje Hermenau, zeigte sich befremdet. "Die politische Denkschule der FDP ist maßgeblich für die Wirtschaftskrise verantwortlich. Ihr fehlt das soziale und ökologische Augenmaß. Warum sollten wir uns die FDP jetzt schön reden?", kritisierte Hermenau gegenüber der RUNDSCHAU.