"Ich glaube, wir stellen den halben Landesverband der Grünen."
 Jens-Uwe Schade, Sprecher des Potsdamer Agrar- und Umweltmisteriums


Zu dieser Loyalität sind die Führungskräfte zwar ohnehin verpflichtet. Doch mit dem Schritt wollte die Hausspitze unter anderem auf Indiskretionen reagieren, nachdem mehrfach interne Papiere des Ministeriums in einem Frühstadium an Naturschutzverbände gelangt waren, was in der Führung nicht gut ankam.
So verteidigt Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade ausdrücklich das Vorgehen und spricht von einem "Warnschuss". Er macht keinen Hehl daraus, dass der Erlass einen tieferen Hintergrund habe, der auch in der Vorgeschichte des einst von Matthias Platzeck geführten Umweltressorts zu suchen sei: Gerade im Agrar- und Umweltministerium arbeiten viele Mitarbeiter, die sich in ihrer Freizeit politisch engagieren, etwa in Vereinen von Naturschutz- und Umweltverbänden, aber auch des Forstes. "Ich glaube, wir stellen den halben Landesverband der Grünen", schätzt Schade salopp ein.
Das politische Engagement von Mitarbeitern in der Freizeit sei auch zu begrüßen. Dennoch habe sich eine Praxis eingeschlichen, dass bei öffentlichen Aussagen von Betroffenen unklar sei, ob sie für das Ministerium oder für eine Organisation sprechen. "Manchen fiel diese Trennung schwer", so Schade. "Da gab es besonders in den Bereichen Naturschutz und Forst immer wieder Interessenkollisionen. Das musste mal sortiert werden." Die Proteste zeigten, dass das Ziel des Erlasses erreicht worden sei.
Grünen-Landeschefin Vohland sprach hingegen von einem "gezielten Einschüchterungsversuch". Es stelle sich die Frage nach dem Politikverständnis des Ministeriums, denn eine frühzeitige Beteiligung von Verbänden sei ausdrücklich im Brandenburger Akteneinsichts- und Informationszugangsgesetz verankert. Auch der Landesverband des Naturschutzbundes befürchtet einen Paradigmen- und Richtungswechsel im Ministerium, der zulasten des Naturschutzes gehe.
Die Befürchtungen werden auch genährt, weil Brandenburg im vorigen Jahr das Naturschutzgesetz - einst unter dem damaligen Umweltminister Matthias Platzeck als strengstes in Deutschland verabschiedet - bereits entschärft hatte. So war unter anderem die Beteiligung von Verbänden eingeschränkt, etwa bisherige Vetorechte bei Genehmigungsverfahren abgeschafft worden.