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| 01:39 Uhr

Grüne jagen Schwarz-Gelb

Am Wochenende diskutieren die Grünen auf ihrem Bundesparteitag über die weitere Entwicklung der Partei nach der Bundestageswahl. Foto: dpa
Am Wochenende diskutieren die Grünen auf ihrem Bundesparteitag über die weitere Entwicklung der Partei nach der Bundestageswahl. Foto: dpa FOTO: dpa
Die Grüne blasen zum Generalangriff auf Schwarz-Gelb. Vorsichtig bekennen sich die Delegierten des Rostocker Parteitages per Beschluss zu Rot-Rot-Grün als möglicher Alternative. Trotzdem proben sie auch eine kleine Revolution: Sie lassen keinen Zweifel an neuen Jamaika-Möglichkeiten. Von Basil Wegener

Eine Partei übt den Spagat. "Ab heute wird Schwarz-Gelb von uns gestellt", ruft die Vorsitzende Claudia Roth den jubelnden 700 Delegierten zu. Der Koalitionsvertrag ist noch frisch - schon erscheint er den Frontleuten Roth, Cem Özdemir, Renate Künast und Jürgen Trittin als Betriebsanleitung für die Abwicklung von Sozialstaat und Klimaschutz. Ein Ventil braucht der Parteitag nicht. Forderungen nach einem Afghanistan-Abzug bis 2010 oder 2011 schmettert die Basis ab. Die Vorstands-Linie, jetzt müsse ein Rückzugsplan entwickelt werden, ist der großen Mehrheit scharf genug. Das grüne Bekenntnis zu Rot-Rot-Grün 2013 binden die Delegierten pflichtschuldig an die Bedingung, dass "die Linkspartei bis dahin regierungsfähig wird". Tatsächlich probieren sie aber schon mal ein wenig mehr Aufbruch auch zu anderen Zugängen zur Macht. Diesmal ziehen Reformer Forderungen zurück, dass jetzt alles offen sein soll. "Das ist Feigheit vor der Basis", ätzt der Europa-Abgeordnete Sven Giegold. "Ich hätte mich gefreut, wenn wir hier mal abstimmen könnten", kritisiert Max Löffler von der Grünen-Jugend. Von Forderungen der Landtags-Fraktionschefs für volle Freiheit zu Rot-Rot-Grün, Schwarz-Grün oder auch Schwarz-Gelb-Grün in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und den anderen Ländern mit baldigen Wahlen bleiben nur Sätze übrig. Die Grünen wollen auch künftig Bündnisse ausschließen, die ihre Klientel abschrecken könnten. Im Saarland wird freilich schon munter weiter über die Premiere für Jamaika verhandelt. Künast und Trittin drängten Saar-Parteichef Hubert Ulrich zuvor erfolglos zu Rot-Rot-Grün. Jetzt verteidigt Ulrich die Übung vor der traditionell linkslastigen Parteitagsbasis demütig als "Experiment" - und erhält Beifall.