"Brandenburgs Landwirtschaftspolitik ist rückständig", schimpft Johannes Remmel. Nordrhein-Westfalens Agrarminister redet sich im Presseraum des Potsdamer Landtags in Rage. "Die Landwirtschaftspolitik aus Brandenburg, die uns auf der Bundesebene begegnet, ist ausgesprochen schwierig."

Einen Tag, bevor auf Einladung von Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) die Landwirtschaftsminister der Länder in Potsdam zusammenkommen, nutzen Brandenburgs Grüne die Tagung für einen Wahlkampftermin. Fünf der sechs Agrarminister mit grünem Parteibuch geben gemeinsam eine Pressekonferenz, deren Inhalt sich in drei Worten zusammenfassen lässt: "Alle gegen Vogelsänger". Besonders deutliche Kritik gibt es von jenseits der Elbe: Massentierhaltungen, die in Niedersachsen, etwa im Landkreis Lüchow-Dannenberg, nicht mehr genehmigungsfähig wären, könnten in Brandenburg, etwa in der Prignitz, ohne Probleme gebaut werden, schimpft der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer (Grüne). "Wir betrachten mit Sorge, dass sich Brandenburg zum Eldorado der Massentierhaltung, zum Land mit den niedrigsten Standards entwickelt." In Niedersachsen seien die Verstümmelung von Tieren, etwa das Schnabelkürzen oder die "Amputation der Ringelschwänzchen" verboten. In Schlachthöfen werde der Zustand der Tiere systematisch erfasst. Hingegen warf der Vorsitzende der Landtagsfraktion der Grünen, Axel Vogel, der rot-roten Landesregierung vor, bei der Landwirtschaftspolitik "alte DDR-Strukturen verfestigt" zu haben und Großbetriebe gezielt zu fördern.

Der Sprecher des Potsdamer Landwirtschaftsministeriums, Jens-Uwe Schade, wies die Kritik gegenüber der RUNDSCHAU scharf zurück. "Allein im Landkreis Vechta werden mehr Tiere gehalten als in ganz Brandenburg zusammengenommen", so Schade. Dass ein niedersächsischer Minister deswegen Brandenburg kritisiere, sei "nichts als Wahlkampf." Es sei traurig genug, dass die Brandenburger Grünen im Vorfeld der Landtagswahlen derartig massive Schützenhilfe aus anderen Bundesländern benötigten. Die heute in Potsdam tagende Agrarministerkonferenz der Länder beschäftigt sich in rund einem Drittel ihrer Tagesordnungspunkte mit der Tierhaltung. Daneben stehen Themen wie das transatlantische Freihandelsabkommen TTIB und der Umgang mit den Russland-Sanktionen auf der Tagesordnung.

Kritik an den Grünen-Äußerungen kam auch von Brandenburgs FDP. Deren Landeschef Gregor Beyer sagte: "Etwas mehr Vernunft und weniger Tagträumerei auf allen Seiten würde der Debatte gut tun." Ökologisch und naturnah sei es, wenn das Fleisch, das in Brandenburg verzehrt wird, auch in Brandenburg produziert werde. "Die verträumte Vorstellung von Grünen, das sei mit kleinen Nebenerwerben mit zwei, drei freilebenden Schweinchen zu schaffen, entstammt einem ziemlich abenteuerlichen Traum." Es gelte, Ökonomie und Ökologie "vernünftig in ein und denselben Schweinestall" zu bekommen.