Von Mathias Hausding

Neue Zahlen der Arbeitsagentur zeigen, dass die Pendlerströme in Brandenburg weiter zunehmen. Genau 29,6 Prozent der hier lebenden Arbeitnehmer haben ihren Job außerhalb des Landes. Mediziner und Wirtschaftsverbände warnen vor den Folgen.

Allein in den vergangenen fünf Jahren ist demnach die Zahl der Pendler im Land um mehr als elf Prozent auf nun gut 292 000 gestiegen. Die jetzt von der Landes-Arbeitsagentur vorgelegten Zahlen sind von Mitte 2018. Drei von vier Berufstätigen zieht es zur Arbeit in die Bundeshauptstadt. Dieser Anteil ist ebenfalls gestiegen, sicher auch durch nach Brandenburg gezogene Berliner, die weiterhin in der Metropole arbeiten. Daten der Arbeitsagentur zeigen zudem, dass Brandenburg gemessen an der Bevölkerungszahl mit Abstand die Region mit den größten Pendlerströmen in andere Bundesländer ist. Und das ist noch nicht alles. Auch innerhalb Brandenburgs wird intensiv gependelt. In Potsdam-Mittelmark ist die Quote am höchsten. Mehr als 63 Prozent der dort lebenden Arbeitnehmer haben ihren Job jenseits der Kreisgrenze, also etwa in Berlin oder Potsdam. In Märkisch-Oderland ist der Anteil jener, die zum Arbeiten den Landkreis verlassen, mit 58 Prozent ähnlich hoch. Am geringsten ist er in der Uckermark mit 23 Prozent.

Matthias Loke, Sprecher der Landes-Arbeitsagentur, führt die hohen Pendlerzahlen nach Berlin vor allem auf die dort im Schnitt 20 Prozent höheren Gehälter zurück. „Wir haben einen freien Arbeitsmarkt. Viele Menschen zieht es in die auch wirtschaftlich stark wachsende Metropole.“ Die Zahlen würden auch zeigen, wie wichtig in der Region eine gute Infrastruktur auf Straße und Schiene sei.

Der Cottbuser Schlafmediziner Frank Käßner warnt vor den Folgen des Pendelns. „Bundesweit klagen sehr viele Berufstätige über Schlafstörungen. Die Situation in Brandenburg ist besonders prekär: Jeder Vierte schläft hier zu wenig, also weniger als fünf Stunden“, sagte er jüngst im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Das sei auf Dauer nicht gesund. Auch die Fahrtauglichkeit von übermüdeten Menschen sei ein Punkt, der kritisch betrachtet werden müsse. In Ostbrandenburg haben sich indes mehrere Akteure unter dem Motto „Pendeln klaut Zeit und Energie“ des Themas angenommen.

Die Kampagne von IHK, Handwerkskammer und Arbeitsagentur hat das Ziel, Fachkräfte in der Region zu halten und jene Menschen, die des Pendelns müde sind, mit Unternehmen zusammenzuführen, die Mitarbeiter suchen. „Ein Coming home ist möglich. Gleichzeitig sollen das hohe Verkehrsaufkommen auf den Straßen und in den Zügen, aber auch der Stress und die Belastung für viele Familien reduziert werden“, sagt Jochem Freyer, Chef der ostbrandenburgischen Arbeitsagenturen. Seit Kampagnenstart vor zwei Monaten hätten sich 150 Pendler gemeldet, die sich für eine Stelle nahe dem Wohnort interessieren.