Mehr als 50 Ermittler haben am Dienstagmorgen die DFB-Zentrale in Frankfurt am Main und die privaten Wohnsitze des Präsidenten Wolfgang Niersbach, seines Vorgängers Theo Zwanziger und des langjährigen DFB-Generalsekretärs Horst R. Schmidt durchsucht. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft lautet: "Steuerhinterziehung im besonders schweren Fall".

Es geht um die Rückzahlung jener ominösen 6,7 Millionen Euro an den damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, die das deutsche WM-Organisationskomitee 2005 falsch als Beitrag zu einer Fifa-Gala getarnt hatte. Körperschafts-, Gewerbesteuern und Solizuschlag sollen dadurch erheblich "verkürzt" worden sein. Die Frage, wohin das Geld des Franzosen ursprünglich geflossen ist, steht seit Wochen ungeklärt im Zentrum des gesamten Skandals. Zwanziger forderte den DFB in einem Schreiben am Montagabend sogar dazu auf zu prüfen, ob man die 6,7 Millionen nicht vom damaligen Komitee-Chef Franz Beckenbauer zurückfordern müsse.

Zu den Durchsuchungen vom Dienstag sagte die Frankfurter Oberstaatsanwältin Nadja Niesen: "Sollte sich der Tatverdacht erhärten, kommt es zur Anklageerhebung. Dann landet der Fall vor Gericht." Bei einer Verurteilung drohe Niersbach, Zwanziger und Schmidt eine Haftstrafe "zwischen sechs Monaten und fünf Jahren".

Niersbach dürfte nun endgültig nicht mehr als DFB-Präsident zu halten sein. Er äußerte sich am Dienstag nicht.

Gegen Beckenbauer, die Schlüsselfigur der Affäre, sind keine Ermittlungen bekannt.

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