Das Gebäude, in dem die Ausgabestelle der Kamenzer Tafel für Lebensmittel an sozial Bedürftige sowie das Sozialkaufhaus "Fair-Kauf-Zentrum" untergebracht sind, ist in der Nacht vom Sonntag zum Montag bei einem Brand schwer beschädigt worden. Große Teile des Hauses sind bis auf weiteres nicht mehr nutzbar. Die Tafel will aber trotzdem so schnell wie möglich ihre Arbeit fortsetzen.

"So ein Brand ist für jeden Eigentümer oder Mieter eine Horrorvorstellung. Dieser Brand ist aber besonders tragisch, weil hier die Schwächsten unserer Gesellschaft betroffen sind." Der sichtlich geschockte Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) musste mühsam um Worte ringen, als er vor dem vom Brand in der vorherigen Nacht schwer gezeichneten Haus am Kamenzer Garnisonsplatz stand. Er war gekommen, um der Kamenzer Tafel die Hilfe der Stadtverwaltung anzubieten, denn: "Es ist nicht nur für uns als Stadt, sondern für die gesamte öffentliche Hand eine ehrenvolle Verpflichtung, denen, die sich hier ehrenamtlich engagieren, zur Seite zu stehen."

Wie genau dies geschehen kann, soll in den nächsten Tagen in Gesprächen mit dem Tafel-Verein und weiteren Partnern geklärt werden: "Dabei wird es vor allem um Hilfe bei der Suche nach einem neuen Standort, wofür es schon Ideen gibt, sowie beim Umzug gehen. Auch einen Spendenaufruf werden wir veröffentlichen."

Für Gabriele Tenne, Vorstand der Kamenzer Tafel, ist klar, dass die Arbeit so bald wie möglich wieder aufgenommen werden soll. "Wir konnten noch nicht in die vom Brand betroffenen Räumlichkeiten hinein und haben deshalb noch keinen Überblick über den Schaden", erklärte sie am Montagmittag. Fakt sei jedoch, dass die gelagerten Lebensmittel zum allergrößten Teil nicht mehr verwendet werden können. Auch die Hausinstallation müsse als zerstört gelten. Das Feuer sei offenbar im Dachboden ausgebrochen, die dort hinauf führende Treppe herabgestürzt. In den unteren Bereichen des Hauses in Schränken gelagerte Waren seien möglicherweise zum Teil noch brauchbar.

"Der Bereich, in dem sich der Aufenthaltsraum mit der Küche befindet, ist wahrscheinlich nicht so stark betroffen", so Gabriele Tenne. Es gebe bereits ein Angebot des Vermieters, mit der Ausgabestelle dort hinein zu können. "Dafür brauchen wir aber jede helfende Hand zum umräumen." Eine große Spendenaktion sei bereits initiiert. Wann und an welchem Ort die Kamenzer Tafel wieder arbeitsfähig ist, könne derzeit jedoch noch nicht gesagt werden.

Die Kamenzer Tafel gibt es seit 2004 - zunächst in Trägerschaft des DRK, seit 2006 als eigenständigen Verein. Die Möglichkeit, kostengünstig Lebensmittel und am Wochenende sogar eine warme Mahlzeit zu erhalten, wird laut Gabriele Tenne rege angenommen. Das Sozialkaufhaus wurde 2008 gegründet. Es bietet nicht nur günstige Einkaufsmöglichkeiten für sozial Bedürftige, sondern auch Langzeitarbeitslosen die Gelegenheit, für das Arbeitsleben zu trainieren.