Familien mit großem Kindersegen sind selten in Brandenburg. Wer einen Haushalt mit mehr als vier Nachkömmlingen führt, muss sich vielen Problemen stellen. Die Sorgenliste ist lang – am schwierigsten ist die Suche nach einer Wohnung oder einem Arbeitsplatz.

„Aus Kinderreichtum folgt mitunter soziale Benachteiligung. Familien mit vielen Kindern leben häufig unterhalb der Armutsgrenze und beziehen Hartz IV“, berichtet Ines Scholz, Sozialarbeiterin bei der Beratungsstelle der Stiftung pro familia in Fürstenwalde, in einer Umfrage.

„Der Begriff Großfamilie ist zunächst nicht näher definiert“, sagt der Sprecher des Potsdamer Sozialministeriums, Florian Engels. Umgangssprachlich sind damit Eltern gemeint, die mehr als vier Kinder großziehen. Auch Patchwork-Familien gehören oft dazu.

Nach Angaben des Landesamtes für Statistik zählten beim Mikrozensus 2010 nur 0,9 Prozent der märkischen Familien mehr als vier Heranwachsende. Fast zwei Drittel leben mit nur einem Kind (65,2 Prozent).

Die Rückkehr in den Beruf ist schwer, insbesondere Frauen mit vielen Kindern haben nur wenige Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das bestätigen auch die Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Der bundesweite Anteil der Nichterwerbstätigen ist unter Müttern mit Kindern dreimal so hoch (27 Prozent) wie unter kinderlosen Frauen (acht Prozent).

Etwa 40 Prozent der Mütter mit drei oder mehr Kindern sind nicht berufstätig. „Mit jedem Kind steigt die Herausforderung, einen Arbeitsplatz zu finden“, sagt Clarissa Schmidt, Pressesprecherin der Arbeitsagentur in Potsdam. Entscheidend sei aber nicht nur die Anzahl der Kinder, wichtig sei auch, wie entgegenkommend sich der Arbeitgeber zeige.

Die Höhe des Kindergeldsatzes steigt mit der Anzahl des Nachwuchses. Laut Bundes-Arbeitsagentur stehen einer Familie mit drei Heranwachsenden demnach insgesamt 558 Euro monatlich zu, mit fünf werden 988 Euro gezahlt. Große Familien, die in Schwierigkeiten geraten, können auf Hilfe hoffen.

„Die Betroffenen kommen aus ganz individuellen Gründen zu uns“, sagt Sozialarbeiterin Scholz. Die Einrichtung der Stiftung pro familia berät etwa in Erziehungsfragen und bei Behördengängen.

Besondere Härtefälle werden von der Stiftung „Hilfe für Familien in Not“ des Landes mit zweckgebundenen Einmalzahlungen unterstützt – etwa für ein neues Kinderzimmer oder Winterkleidung. „Bei uns landen Fälle, die betroffen machen und unter die Haut gehen“, sagt Geschäftsführerin Marlies Kuhl. „Wir sind immer händeringend auf der Suche nach Spenden.“

Der Verein des Sozial-Therapeutischen Instituts Berlin-Brandenburg (Stibb) berät auch Großfamilien in Erziehungsfragen. Bei Patchwork-Familien kommen zehn, manchmal zwölf junge Menschen unterschiedlichen Alters zusammen. „Das birgt ein hohes Konfliktpotenzial“, stellt die Vorsitzende des Vereins, Annelie Dunand, fest. „Wer viele Kinder hat, steht unter besonders enormem Druck, alles richtig zu machen.“