Die einzelnen Ministerien und Parlamentsfraktionen präsentierten sich in Info-Zelten auf dem Staatskanzlei-Gelände an der Heinrich-Mann-Allee beziehungsweise auf dem Brauhausberg. Viele Politiker standen den Bürgern geduldig Rede und Antwort. Parlamentspräsident Fritsch sprach von einem „vollen Erfolg“ und bescheinigte den Brandenburgern ein großes Interesse an Politik. Auch Regierungschef Platzeck äußerte sich zufrieden. Die Veranstaltung habe dazu beigetragen, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. „Nur so kann Demokratie funktionieren.“ Hatten anfangs noch unheilvoll dunkle Regenwolken über der Landeshauptstadt gehangen, so kroch im Laufe des Tages immer häufiger die Sonne hervor.

Speisen wie beim Staatsbankett
Wo sonst schwarze Limousinen vor der Staatskanzlei halten, war dieses Mal eine große Spielzeugeisenbahn mit einigen Brandenburger Strecken aufgebaut. Es bildete sich schon am Morgen eine Schlange, weil viele einmal die Kabinettsräume und Platzecks Büro ansehen wollten. Im Speiseraum der Regierung war außerdem ein Tisch wie zu einem Staatsbankett gedeckt: leicht herbstlich, ganz in Gelb und mit Weintrauben dekoriert. Fotos erinnerten an Staatsbesucher wie die englische Queen, den ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton oder die Königinnen der Niederlande und Dänemark, Beatrix und Margrethe.
Zahlreiche Politiker waren in Talk runden und bei Interviews zu erleben oder schossen - wie Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) und Sportminister Holger Rupprecht (SPD) - auf eine Torwand um die Wette. Das Duell endete 1:0 für Rupprecht. Finanzminister Rainer Speer (SPD) schließlich trug vor vollem Haus eigene Gedichte vor, die auch schon mal etwas derber formuliert waren. So griff der Hobby-Lyriker mehrfach zum Kraftausdruck „Arsch“ , kam aber auch zu Erkenntnissen wie „Die Welt macht uns klein und kleinlich“ . Wer daneben leichtere Unterhaltung suchte, dem boten sich unter anderem Fahrradparcours, Kabaretteinlagen und Musik. In der Kantine der Staatskanzlei kamen gut 150 Gastgeschenke unter den Hammer, die einmal unter anderem dem früheren Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) überreicht worden waren. Dazu zählten Kristallgläser, Wandbilder, Münzen, Krüge, Rettungsringe und Zinnbecher. Ein Zimmermannshammer brachte 16, ein Porzellan-Wandteller mit dem Bran denburg-Lied immerhin 22 Euro. Den Erlös der Auktion von 2418 Euro erhält der Verein Clownsprechstunde, der sich um kranke Kinder in Kliniken kümmert.

Auf dem Abgeordnetenstuhl gefläzt
Im Landtagsplenum konnten sich Besucher einmal nach Herzenslust auf den Abgeordnetenstühlen fläzen. Wenn sich die Volksvertreter jedoch von der Visite versprochen hatten, dass die Bürger vom maroden Zustand des alten Gebäudes entsetzt sein und Verständnis für den beschlossenen Neubau zeigen würden, wurden sie teilweise enttäuscht. „Das ist so ein schöner Bau“ , meinte eine Potsdamerin und blickte sich begeistert im geräumig-hellen Büro des Parlamentspräsidenten um. Deshalb habe sie für den Umzug vom Berg in die historische Mitte Potsdams kein Verständnis.
Aber auch solche überraschenden Reaktionen konnten Landtagspräsident Fritsch nicht die gute Laune verderben, und so sprach sich der 64-Jährige am Ende dafür aus, den Tag der offenen Tür - vielleicht im Zweijahres-Rhythmus - zu wiederholen.