Dass ganze Völkerscharen am vergangenen Sonntag zur nachgespielten Völkerschlacht südlich von Leipzig wollten, hatte die Veranstalter offenbar überfordert. Die einschlägigen Internetforen quellen noch Tage nach dem Ereignis über mit Kritik von enttäuschten Zuschauern. "Das war reine Abzocke", schreibt eine Besucherin auf der Facebook-Seite der Veranstaltung.

Lange warten und schließlich nichts sehen, darüber beschweren sich viele, die die Niederlage des Franzosenkaisers Napoleon bei Wachau miterleben wollten. Schon am Vormittag bewegte sich in den Schlangen am Einlass nichts mehr. Das schöne Wetter und die rege Vorberichterstattung hatten noch viele Spontan-Besucher zu dem umstrittenen Spektakel gelockt. Von denen bekamen auch noch viele Karten für Stehplätze - allerdings wurden nicht alle reingelassen. Der für die Organisation zuständige Leipziger Event-Manager Falk-Gert Pasemann sieht sich nun mit handfesten "Geld zurück"-Forderungen konfrontiert. Er sieht dafür indes keinen Grund: "Wer zu so einer Veranstaltung fährt wie zum Kaffeetrinken, der hat sicher auch Probleme bekommen", sagte Pasemann am Montag im MDR. "Da halte ich mich an Gorbatschow: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."

Im Ergebnis konnten viele der 28 000 Leute, die das Hauen und Stechen gegen 15 Euro Eintritt miterleben wollten, kaum sehen, was auf dem Schlachtfeld geschah. Manche kletterten auf Bänke, Bäume oder Müllcontainer für bessere Sicht. Aber schon die Anfahrt zum Schlachtfeld war am Sonntag ein Abenteuer. Die neun Busse, die die Veranstalter bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) bestellt hatten, waren schnell voll. Auf der Autobahn 38, die am Schlachtfeld vorbei führt, war schon mittags Stau. Und manch einer, der mit dem Auto da war, musste hinterher lange suchen. Denn viele Autos von Besuchern ließ das Markkleeberger Ordnungsamt am Sonntagnachmittag abschleppen. Die vier Tribünen mit rund 7000 Sitzplätzen waren bereits vor Wochen ausverkauft.

Der Ärger werde sehr ernst genommen, sagt Verbandschef Michél Kothe. Nun soll es eine "umfassende Manöverkritik" geben. Historische Gefechte zum Jahrestag der Völkerschlacht finden in Leipzig jedes Jahr statt. Üblicherweise jedoch kleiner. Der Jahrestag nach 200 Jahren indes sprengte alle bisherigen Dimensionen. Mehr als 6000 Verkleidete aus 24 Ländern waren diesmal dabei. 2012 spielten lediglich 1500 mit. Wie viele Zuschauer am Sonntag um das gesamte historisch nachgestellte Schlachtfeld unterwegs waren, kann nur geschätzt werden. Die Organisatoren sprechen von mehr als 50 000 Leuten.