Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) hat ungewöhnliche Post bekommen: Die US-Schauspielerin Pamela Anderson ("Baywatch") macht sich für die artgerechte Haltung von Legehennen stark und warnt in einem Brief vor der Beibehaltung von Käfigbatterien in Deutschland. "Das geltende Käfighaltungsverbot aufzuheben, bedeutet die Fortsetzung millionenfacher Leiden", schreibt die 38-Jährige im Namen der Tierschutzorganisation Peta und der "Gemeinnützigen Stiftung Albert Schweitzer für unsere Mitwelt".
Eigentlich sollte es nur um die Schweinehaltungsverordnung gehen, doch die Länder wollen kurz vor Ostern noch ein anderes Ei legen: Das Ende der Batteriekäfighaltung soll um zwei Jahre auf 2009 verschoben werden, damit Geflügelhalter etwas größere Käfige einführen können - die Kleinvolieren. Was nach dem Vorbild von Volieren für Vögel nach viel Raum klingt, bietet den Legehennen derzeit meist so viel Platz wie etwa ein DIN-A-4-Blatt.
Die Länder Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern machen sich federführend für einen etwas größeren Käfig stark. Die Mehrheit der Agrarminister ist ebenfalls dafür und empfiehlt pro Henne eine Fläche von 800 Quadratzentimetern statt bisher etwa 550. Mit 50 bis 60 Zentimetern soll der Käfig höher werden als Batteriekäfige mit 40 Zentimetern. Der Deutsche Tierschutzbund warnt vor einem "Rückfall in das finstere Mittelalter". In Kleinvolieren könnten die Hühner weder scharren noch im Sand baden, sagt Verbandspräsident Wolfgang Apel.
Die große Koalition will den Streit entschärfen und schlägt als Kompromiss eine Kleinvoliere vor, die etwas größer ist als das Modell der Länder. Außerdem soll die Boden- und Freilandhaltung verstärkt werden. Nach Ansicht der Tierschützer verstößt die Kleinvoliere gegen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1999 und das Staatsziel Tierschutz. Die Verfassungsrichter hatten die Verordnung zur Hennenhaltung für nichtig erklärt. Die Legehennen müssten ihre Grundbedürfnisse wie Picken, Scharren und das Sitzen auf Stangen erfüllen können.
Im Jahr 2001 verständigten sich Bundestag und Bundesrat darauf, die Käfighaltung von 2007 an zu verbieten. Der Streit schwelte weiter. Die Agrarminister einigten sich 2004 im "Hühnerfrieden von Osnabrück" dar auf, Anforderungen des Tierschutzes an Kleinvolieren zu erarbeiten. Der Bundesrat entschied sich im selben Jahr für diese Form, aber die damalige Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) lehnte die Kleinvoliere ab. Nun bleibt bis Jahresende wenig Zeit, die Käfige umzurüsten, deshalb soll eine Übergangslösung her. Europaweit werden die herkömmlichen Käfige 2012 abgeschafft.
Die Bauern und die Eierindustrie halten die Kritik der Tierschützer nicht für nachvollziehbar. "Es wird eine Haltungsform geben, die dem Tierschutz gerecht wird", sagt der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Helmut Born. "Der Platz für Legehennen wird fast verdoppelt." Die Hühner bekämen ein abgedunkeltes Nest wie in der Natur, eine Sitzstange und könnten scharren und im Sand baden. Der Bundesverband Deutsches Ei betont, die bisherigen Käfige hätten Vorteile in der Hygiene, die Hennen seien aber in ihrer natürlichen Verhaltensweise eingeschränkt. Die Kleinvolieren könnten die Vorteile beibehalten und die Nachteile deutlich reduzieren.
Seehofer warnte im Bundestag am vergangenen Donnerstag vor wirtschaftlichen Konsequenzen, wenn nichts geändert werde. "Niemand aus der Koalition möchte zurück zum alten Käfig", sagte er. Ohne eine neue Regelung drohe aber die Abwanderung der Eierproduktion nach Osteuropa. Auf die Post von Pamela Anderson ging er nicht ein.

zum thema Aus für Verordnung gefordert
 Der Deutsche Bauernverband hat die Ministerpräsidenten der Bundesländer aufgefordert, das von Rot-Grün verabschiedete Gesetz zur Haltung von Legehennen zu kippen. Ansonsten seien 40 000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft gefährdet, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner der Chemnitzer "Freien Presse".
Sonnleitner sagte, der Selbstversorgungsgrad an Eiern würde damit von gegenwärtig 70 auf 35 Prozent sinken, da die deutschen Bauern weniger produzieren könnten. Damit wäre Deutschland auf Importe aus Ländern mit deutlich weniger Tierschutz angewiesen. Den Kritikern in den Tierschutzorganisationen warf Sonnleitner vor, ihre Argumente seien "scheinheilig und unmoralisch" .