Für knapp drei Wochen kann die 14 Bände umfassende Techell-Chronik im Original in der Volksbank betrachtet werden.

Die von Karl Friedrich Techell (1759-1846) zwischen 1818 und 1845 meist handgeschriebenen Annalen enthalten Informationen und Aufzeichnungen, die er über seine Heimatstadt, die Oberlausitz, Deutschland sowie aus dem Ausland zusammenstellte und die bis ins Jahr 800 zurückreichen. "Aus der Zeit gibt es sehr wenige Überlieferungen", erklärt Archivverbund-Leiterin Grit Richter-Laugwitz die Bedeutung des Werkes für die Stadtgeschichte. Techell habe über einen langen Zeitraum viel selbst Erlebtes aufgeschrieben. "Das hat man bei Chroniken relativ selten, weil darin eher Gegebenheiten überliefert werden."

Darüber hinaus sei es erstaunlich, dass die 14 Bände plus Registrierband - eine Art Inhaltsverzeichnis - vollständig erhalten seien. "Es ist ein großer Schatz für Bautzen." Dieser konnte 2009 mit Hilfe der Volksbank erworben werden - als Dauerleihgabe für den Archivbund.

Techell hatte die Chronik mit 59 Jahren begonnen und vier Wochen vor seinem Tod mit 87 Jahren beendet. Statistisch gesehen beschrieb der ehrenamtlich engagierte und angesehene Innungs-Oberälteste und Stadtverordnete täglich etwa anderthalb Seiten. Die Berichte über Erfindungen und Entdeckungen, sprichwörtliche Redensarten, Eide oder Erdbeben notierte er auf Foliopapier - 900 bis 1300 Seiten je Band. Dazu heftete er ein wahres Sammelsurium: Druckschriften, Kupfer- und Stahlstiche, Lithografien, Porträts und Architekturzeichnungen - darunter Tellechs Steuerbescheide und Flugschriften des Rates.

Von Forschern seiner Zeit noch stark genutzt und als wertvoll geschätzt, verlor sich die Spur der Bücher 1876 mit dem Tod von Techell-Sohn Karl Ernst. Erst 2006 tauchte die Chronik in einer Berliner Auktion auf. "Momentan ist unbekannt, wo sie die ganze Zeit war", erzählt Richter-Laugwitz. Zuletzt habe das Konvolut auf einem Berliner Dachboden gelegen. Nach Ausstellungsende am 25. Januar kommt die restaurierte und digitalisierte Chronik ins Stadtarchiv - wie es Verfasser Techell ursprünglich per Testament bestimmt hatte, sagt Richter-Laugwitz. "Bisher kannten wir sie nur als Phantom."