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Großer Jubel und ein Gentleman: Machtwechsel in Nigeria

Abuja/Kaduna. Viele Nigerianer hatten große Angst vor der Verkündung des Wahlergebnisses. Sie befürchteten schwere Gewalt so wie 2011. Stattdessen bewies der Verlierer Größe.

Mit einer solch friedlichen Machtübergabe hatte in Nigeria kaum jemand gerechnet. Als sich am Dienstagabend abzeichnete, dass der frühere Militärdiktator Muhammadu Buhari die mit Spannung erwartete Präsidentschaftswahl im bevölkerungsreichsten Land Afrikas für sich entscheiden konnte, griff Staatschef Goodluck Jonathan ohne langes Zögern zum Telefon und gratulierte seinem Herausforderer. Damit hat der 57-Jährige nach Meinung vieler Nigerianer nicht nur Größe bewiesen, sondern auch mögliche Gewaltexzesse verhindert.

"Dadurch, dass Jonathan seine Niederlage eingestanden hat, gibt es jetzt nichts mehr zu befürchten", sagte der Taxifahrer Oloye Ademola in der Hauptstadt Abuja. "Viele Leute dachten, er werde das Ergebnis anzweifeln, was zu einem Blutbad hätte führen können - aber er hat sich wie ein Gentleman verhalten."

"Das ganze Land hat für einen Wechsel gestimmt, weil die Menschen einen so schwachen Präsidenten wie Jonathan nicht mehr wollten", erklärte der Geschäftsmann Emmanuel Obaro. Die Bevölkerung hatte Jonathan - einem Christen aus dem Süden des Landes - schon lange vorgeworfen, im Kampf gegen die islamistische Terrorgruppe Boko Haram gänzlich versagt zu haben.

Die Extremisten wollen im muslimisch geprägten Norden Nigerias einen Gottesstaat durchsetzen und haben in den vergangenen Jahren bei brutalen Anschlägen über 14 000 Menschen getötet. Vom 72-jährigen Buhari, einem Muslimen mit langjähriger Militärerfahrung, versprechen sich die in ständiger Angst lebenden Bürger nun eine härtere Hand im Umgang mit den Fundamentalisten.

In vielen Städten vor allem im Norden brach deshalb spontaner Jubel aus, als das Wahlergebnis bekannt wurde. In der ethnisch und religiös gespaltenen Millionenmetropole Kaduna, wo es nach den letzten Wahlen 2011 zu blutigen Ausschreitungen gekommen war, strömten Hunderte Menschen tanzend und singend auf die Straßen. "Wir danken Gott!", riefen sie in Sprechchören. Noch bis zum Nachmittag war es zu Hamsterkäufen gekommen und viele hatten sich aus Angst vor drohender Gewalt in ihren Häusern verschanzt.

Auch in Kano im Norden und in Minna im Zentrum des Öllandes fanden Siegesfeiern statt. Mit Autokonvois begrüßten die Menschen hupend den Machtwechsel.

Goodluck Jonathan wurde wegen seines verantwortungsvollen und schnellen Rückzugs auch als Sieger gehandelt - denn in Afrika kleben viele Präsidenten jahrzehntelang ohne Rücksicht auf Verluste an ihrem Machtsessel. Er sei der "Held dieses historischen Augenblicks" und habe im besten Interesse der Nation gehandelt, kommentierte der Bürger Alhaji Aliyu Abdul in Minna. Es seien die ersten wirklich freien und demokratischen Wahlen in Nigeria gewesen, freute sich auch der Anwalt Hassan Adamu in Kaduna. "Jetzt gibt es keinen Grund mehr für Unruhen und Gewalt."