Sein Konterfei war allgegenwärtig. Als Büste auf dem Tisch, als Bild an der Wand. Und auf der vielfach vergrößerten Ausgabe einer Gedenkmünze auf der Bühne. Senator Bob Carr, der australische Außenminister, Botschafter Peter Tesch und Ron Curry von der Münzprägeanstalt Perth Mint enthüllten die Nachempfindung des Silberlings, der zu Ehren des 200. Geburtstages des australischen Nationalhelden aufgelegt wurde.

Auf der einen Seite ist das Porträt von Ludwig Leichhardt zu sehen. Ernst und entschlossen blickt er in die Ferne, die Haare nach hinten frisiert, ein Vollbart unter den betonten Wangenknochen. Im Hintergrund ist ein Ausschnitt Australiens zu sehen, durch den eine rote Linie führt - eine Abbildung der Forschungsroute, die ihn 1845 zum Volkshelden machte. Auf 3000 Meilen erkundete er die Landschaft zwischen Darling Downs und Port Essington im Nordwesten des fünften Kontinents. Die Notizen, Tagebücher und Briefe mit detailreichen Aufzeichnungen von Botanik, Geologie und Ressourcen des Landes waren für die kommende Besiedlung von unschätzbarem Wert. Seine zweite große Expedition, die drei Jahre später den Kontinent durchqueren sollte, endete tragisch. Er verschwand unter bis heute ungeklärten Umständen. Die Rückseite der in kleiner Auflage von 2013 Stück aufgelegten Medaille zeigt ein Porträt von Königin Elisabeth II.

Bis heute ist Leichhardt in Australien sehr bekannt - anders als in Deutschland. Außenminister Carr, erklärter Fan der deutschen Sprache, Kunst und Kultur, teilte mit vielen Gästen Erinnerungen daran, wie ihnen in der Schule Leben und Werk Leichhardts eingetrichtert wurde. Berge, Flüsse und Stadtteile sind nach dem Deutschen benannt, ohne den die Besiedlung Australiens auf der von ihm erforschten Strecke sehr viel schwieriger geworden wäre.

Das Gedenken an seinen 200. Geburtstag ist von deutscher und australischer Seite mit vielen Zielen verbunden. Nicht ohne Grund beging die Botschaft den Nationalfeiertag gemeinsam mit dem Gedenken und einem weiteren Jubiläum: den 60 Jahren deutsch-australischer diplomatischer Beziehungen. Auf allen Ebenen sollen diese zwischen den beiden Ländern im Leichhardt-Jahr und darüber hinaus noch weiter vertieft werden. "Die Figur Ludwig Leichhardts ist nicht nur von historischer Bedeutung", erklärte Botschafter Tesch, "sondern auch ein wichtiges Element der bilateralen Zusammenarbeit". Es gehe darum, die menschlichen Kontakte zu stärken - zwischen Brandenburg, dem Spreewald und Australien.

Auf dem Tagesplan stand daher nach dem Fest noch kräftiges Händeschütteln: Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und sein australischer Amtskollege Carr unterzeichneten eine strategische Partnerschaft. Beide Länder wollen künftig noch enger zusammenarbeiten und den gegenseitigen Austausch fördern.

Bereits jetzt, so Botschafter Tesch, habe die Humboldt-Stiftung "extra Geld zur Verfügung gestellt, damit zwei Leichhardt-Forscher aus Australien in Leichhardts Heimatland Brandenburg reisen können". Außerdem gebe es eine Reihe von Aktivitäten auf Landes- und Regionalebenen sowie zwischen beiden Bundesregierungen.

Vor dem Empfang, bei dem Hunderte Gäste aus Politik und Wirtschaft, Deutschland und Australien miteinander plauderten, hatte das Amt Lieberose/Oberspreewald seinen großen Auftritt. In einer sehr gut besuchten Pressekonferenz stellte Amtsdirektor Bernd Boschan die wichtigsten Höhepunkte des Leichhardt-Jahres vor. Dass die Faszination des Australienforschers ungebrochen wirkt, sobald die Menschen von ihm erfahren, zeigte sich auch bei den Medienvertretern. Warum denn niemals Überreste von der verschollenen Expedition gefunden wurden, konnte sich ein Journalist kaum vorstellen. Den meisten Australiern ging es offenbar ähnlich - Peter Tesch zufolge gab es noch bis in die 1990er-Jahre hinein Versuche, auf die Spuren der Gruppe zu kommen: "So groß sind das Mysterium und die Faszination."

Doch auch der Kaffenkahn, dessen Nachbildung im Sommer auf dem Schwielochsee segeln wird, zauberte interessierte Fragezeichen in die Gesichter. Boschan erklärte, dass Leichhardts Familie mit den Lastenseglern eine Spedition für Waren von und nach Berlin betrieben habe. Der finanzielle Erlös wurde zum Teil in zusätzlichen Privatunterricht für den jungen Ludwig gesteckt. Dieser legte nicht nur den Grundstein für sein Wissen in Botanik und Geologie, sondern ermöglichte ihm auch den Besuch des Gymnasiums in Cottbus - der ihn wiederum mit der Basis jenes Forscher-Interesses und intellektueller Fähigkeiten ausstattete, die Außenminister Carr noch heute bewundert: "Seine Expeditionen symbolisieren Exzellenz in der Wissenschaft."

Ludwig Leichhardt und sein Ruhm sollen aber nicht nur die deutsch-australischen Beziehungen voranbringen, sondern auch die Ausstrahlung seines Herkunftslandes erhöhen. Dieter Hütte von der Tourismus-Marketing Gesellschaft Brandenburgs sieht eindeutige Parallelen zwischen dem Motto der TMB, "Das Weite liegt so nah", und dem Leben und Wirken des Australienentdeckers aus dem Spreewald. Er zähle zweifellos zu den 300 bedeutendsten Köpfen Brandenburgs. Zunächst allerdings sei die TMB gegenüber den Plänen aus dem Amt Lieberose/Oberspreewald zurückhaltend gewesen. Schließlich treffe auch die Frage "Was gilt der Prophet im eigenen Land" auf Leichhardt "voll zu" so Hütte. "Doch es geht ja darum, dass man überzeugt wird", sagte er. Nun will die TMB an Erfahrungen aus dem hoch erfolgreichen Friedrich-Jahr anknüpfen und im Leichhardt-Jahr nicht nur touristische Seiten aus neuem Blickwinkel betrachten, sondern auch wissenschaftliche Begleitung suchen.

Nächster Höhepunkt im Leichhardt-Jahr wird ein Festakt im Deutschen Bundestag sein. Termin ist der 19. Februar.