Erste Station der Besucher: das Spree-Neiße-Dorf Grießen. Knapp 200 Einwohner, bekannt durch die jahrzehntelange Unterstützung des mittlerweile abgebaggerten Horno und heute nur wenige Meter von der Tagebaukante entfernt. „Hätten sich die Grießener nicht so lange gewehrt, unsere Schutzpflanzungen könnten heute schon viel höher sein“ , erklärte Vattenfall-Referentin Birgit Schroeckh den Finnen, Schweden, Belgiern und Spaniern. So aber ist das gepflanzte Grün noch dürftig, eine immerhin ebenfalls grünliche, 985 Meter lange Schutzwand soll Lärm und Schmutz abhalten. „JVA-Mauer“ heißt das Bauwerk bei den Dorfbewohnern, und Ortsbürgermeister Frank Lehmann (parteilos) kennt einige, die lieber abgebaggert wären als mit den Kompromissen der Rand-Existenz leben zu müssen.
Jetzt aber heißt es für ihn, in den Verhandlungen mit dem schwedischen Energie-Konzern rauszuholen, was möglich ist. „In dem Zwiespalt steht auch die ganze Gemeinde Schenkendöbern“ , erzählt Bürgermeister Peter Jeschke (CDU) später. Für die Randgemeinde Taubendorf muss er mit Vattenfall gemeinsam nach Lösungen suchen, als Bürgermeister für die von Abbaggerung bedrohten Dörfer Atterwasch, Kerkwitz und Grabko lehnt er jegliche Verhandlungen ab. „Wir gehen als Gemeinde mit gutem Beispiel voran, setzen auf Erdwärme, auf zwei Windparks, Photovoltaik, Holzschnitzel.“ Trotz aller Erfolge mit alternativen Energien sieht Jeschke dennoch schwere Zeiten auf sich zukommen: „Noch nie haben Politiker so klar zur Kohle gestanden wie gerade jetzt“ , sagt er im Hinblick auch auf die Kaukasus-Krise, die Europas Abhängigkeit von sowjetischem Gas zeige. Und plötzlich ist die große Weltpolitik sehr präsent und sehr kompliziert - ein Gast aus Finnland meldet sich zu Wort. In seiner Heimat würde vermehrt Uran abgebaut für neue Atomkraftwerke. Die Bevölkerung werde gewonnen mit dem Argument, all das schaffe Arbeitsplätze. Ob man solche Muster hier auch kenne?
Alle Anwesenden nicken, auch Elisabeth Schroedter, die Europa-Abgeordnete, Organisatorin der Tour, und Beraterin der Gemeinde Schenkendöbern. Vielleicht hatte sie Gelegenheit, einen Blick ins Gästebuch der Kirche von Atterwasch zu werfen. „1944 fand ich hier Ruhe vor den Bombenangriffen auf Hamburg. Ich wünsche dem Ort, dass er in Frieden weiter bestehen darf.“ Schön, wenn Politik so einfach wäre.