Bei der Landtagswahl im kommenden Jahr gehe es um "einen Richtungswechsel in der deutschen Politik", verkündete der Linken-Chef am Wochenende mit gewohnt großen Worten auf dem Landesparteitag in Neunkirchen. Und natürlich will der 64-Jährige selbst für diesen Wechsel stehen, weshalb er sich zum Spitzenkandidaten der Linken küren ließ - mit einer Zustimmung von 92,4 Prozent. In dem Land, in dem er 13 Jahre für die SPD Ministerpräsident war, will er nun wieder Regierungschef werden und die erste rot-rote Landesregierung im Westen schmieden. Unmöglich erscheint dieses Vorhaben ein Jahr vor der Wahl nicht.
Ausgerechnet im Geburtsort des früheren DDR-Staats- und Parteichefs Erich Honecker fand am Samstag der Krönungsparteitag für Lafontaine statt. Der Neunkirchner SPD-Oberbürgermeister Friedrich Decker ließ es sich in einem Grußwort denn auch nicht nehmen, auf einen Besuch Honeckers im Bürgerhaus seiner Heimatstadt im Jahr 1987 hinzuweisen - zu jener Zeit also, in der Lafontaine für die SPD im Saarland Ministerpräsident war. Honecker hätte es sich nicht träumen lassen, dass sich die Nachfolgepartei seiner Einheitspartei hier 21 Jahre später im Wahlkampf brüste, sagte Decker.
Es schmerzt gerade die SPD im Saarland schwer, dass ihr einstiger Übervater nun für die Linken auf Stimmenfang geht. Der im September 1943 in Saarlouis geborene Lafontaine stand fast zwei Jahrzehnte an der Spitze des Landesverbandes. Von 1976 bis 1985 war er Oberbürgermeister Saarbrückens, von 1985 bis 1998 Ministerpräsident des Landes. Heute lehnt SPD-Landeschef Heiko Maas eine Koalition mit den Linken unter Lafontaine kategorisch ab. Dafür gebe es keine Vertrauensbasis, sagt Maas vor dem Hintergrund des Rücktritts Lafontaines und seines späteren Wechsels zu den Linken.
Lafontaine bot dagegen seinen einstigen Parteifreunden mit sichtlicher Freude auf dem Parteitag ein Bündnis nach der Landtagswahl an. Allerdings müsse dies auf Augenhöhe geschehen, sagte er an die Adresse der SPD. Und das heißt für ihn unter anderem: Die stärkste Partei stellt den Ministerpräsidenten. Dass dies tatsächlich die Linken sein könnten, ist Umfragen zufolge zumindest nicht undenkbar. Eine Umfrage sieht die Partei sogar vor der SPD.
"Wir bleiben auf dem Boden", erklärte Lafontaine angesichts solcher Aussichten. Doch er sagte auch, es bestehe die Möglichkeit, die Regierungsbildung an der Saar zu übernehmen. Landeschef Rolf Linsler nannte als Wahlziel "20 Prozent plus einem fetten X."
Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) stellt sich bereits auf einen Zweikampf mit Lafontaine ein. Er sei "geradezu der ideale Gegner, um den Menschen zu zeigen, vor welcher Alternative sie stehen", sagte Müller der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".