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| 02:47 Uhr

"Großdänischer" Herr über Zahlen

Dass Dänen und Ostdeutsche sich bestens verstehen, ist spätestens seit der Olsenbande klar. Das unvergessliche Trio mit Egon, Benny und Kjeld hatte nirgendwo so viele Fans wie in der DDR. dpa/sm

Sprüche der Bande wie der Superlativ "großdänisch" gerieten in den Sprachgebrauch. "Großdänisch" ließe sich auch das Wirken eines Mannes beschreiben, der nach der Wende aus dem Norden in den Osten kam und hier im Klassikbetrieb mitmischte: Kim Ry Andersen (66). 18 Jahre war er bei den Dresdner Musikfestspielen Verwaltungsdirektor und damit Herr über alle Zahlen.

Im Februar 1946 kam Andersen in Kopenhagen als Kind einer Opernsängerin und eines Arztes auf die Welt. Auf Betreiben der Mutter lernte er Geige, Klavier und Gesang. Nach dem Jurastudium arbeitete er als Regierungsrat im Justizministerium, dann im Kultusministerium - zuletzt als persönlicher Referent des Kultusministers. 1975 wechselte Andersen als stellvertretender Intendant ans Königliche Theater Kopenhagen.

Seine erste Begegnung mit Dresden rührt noch aus DDR-Zeiten her: Andersen kam mit dem Ballett zu einem Gastspiel in die Elbestadt. Nach der Wende ging er als Verwaltungschef und Vize-Intendant an das Opernhaus Halle. Seine spätere Frau Valerie war in Halle Operndirektorin. Als die Dresdner Musikfestspiele - das bekannteste ostdeutsche Klassikfestival - einen erfahrenen Finanzmann suchten, wechselte Andersen 1994 von der Saale an die Elbe. Das Ehepaar empfand die Stadt mit ihren reichen kulturellen Traditionen als Schlaraffenland. "Ein guter Nährboden für Festspiele aller Art", betont der Direktor und stellvertretende Intendant.

Drei Chefs - Michael Hampe, Torsten Mosgraber und Hartmut Haenchen - hat er kommen und gehen sehen. Jetzt arbeitet er mit Jan Vogler zusammen und geht selbst in den Ruhestand. Was er künftig machen wird, verrät er nicht. "Nur am Morgen aufzustehen und überhaupt nichts zu machen - das kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe einen Kilometer Bücher, die ich noch nicht gelesen habe und viele CDs, die noch nicht geöffnet sind."