Dichte schwarze Rauchwolken stiegen mehrere hundert Meter in den Himmel und waren gestern Nachmittag bis in die Kreisstadt Forst zu sehen. Gegen 14.37 Uhr war eine Halle im hinteren Bereich des Glaswerkes in Brand geraten. In der Halle werden die bei der Bleiglasherstellung anfallenden Säuren neutralisiert.

Riesige Rauchwolken über Döbern
Durch die Hitze schmolzen die Leichtmetallwände der Halle. Die verbrennende blaue Kunststoffbeschichtung verursachte die schwarzen Rauchwolken, die in östliche Richtung zogen. Die dort Wohnenden wurden von der Polizei und über Radio aufgefordert, in den Räumen zu bleiben und die Fenster zu schließen. Messungen hätten allerdings ergeben, dass keine gesundheitsrelevanten Stoffe freigesetzt wurden, sagte später Spree-Neiße-Kreisbrandmeister Wolfhard Kätzmer. Als Vorsichtsmaßnahme war die Ringstraße, die von der Bundesstraße 115 zum Glaswerk abzweigt, zeitweise gesperrt worden. Insgesamt waren zwölf freiwillige Feuerwehren mit rund hundert Einsatzkräften vor Ort, um den Brand zu löschen. Dabei konzentrierten sie sich zunächst auf ein Abkühlen der angrenzenden Gebäude, wo sich unter anderem das Säurelager befindet. Nach etwa zwei Stunden war das Feuer gelöscht. Von der Halle blieb aber nur das Gerippe stehen.

Millionenschaden entstanden
Siegfried Zabel, Vorstandsvorsitzender der Lausitzer Glashütte AG, konnte den Schaden gestern noch nicht genau beziffern, schätzt ihn aber auf mehrere Millionen Euro. Die Umweltanlage ist ein wesentlicher Teil der Produktion, etwa 80 Prozent der Produkte werden mit Säuren zum Glänzen gebracht. Es seien gerade die hochwertigen Waren, mit denen ausländische Kunden beliefert wurden. Das Tragische dabei sei, so Zabel: „Wir ersticken derzeit in Aufträgen.“ Die Hütte war seit der Wende meist von einer Krise in die nächste geraten. Nachdem Zabel sie übernahm, wurden elf Millionen Euro in die Produktion und Vermarktung investiert. Im vergangenen Monat habe man so viel produzieren können wie noch nie seit der Übernahme, machte Zabel deutlich, an welchem Punkt der Brand die Döberner Hütte erwischt hat. Erst in den kommenden Tagen werde Genaueres gesagt werden können. Man hoffe auf das Entgegenkommen der Kunden, die nun informiert würden. „Wir müssen in den nächsten Tagen neu denken.“ Man werde mit Herstellern solcher Umweltanlagen erst Kontakt aufnehmen müssen, um zu klären, wie schnell neue Maschinen zur Verfügung stehen könnten. Die Versicherung sei bereits informiert, zur Brandursache könne noch nichts gesagt werden, so Zabel.
Die Ermittlungen zur Brandursache hat noch gestern Nachmittag das Landeskriminalamt (LKA) übernommen, das vom Polizeihubschrauber aus Foto- und Videoaufnahmen von der ausgebrannten Halle machen ließ. Unklar ist auch, welche Umweltauswirkungen der Brand noch haben könnte. Damit das möglicherweise mit Säure vermischte Löschwasser nicht in das Flüsschen Malxe gelangen kann, wurde der Hüttenteich zunächst mit Bohlen abgesperrt, erklärte Kreisbrandmeister Wolfhard Kätzmer. Heute sollen Unternehmen und das Umweltamt des Landkreises Spree-Neiße über die weiteren Schritte entscheiden. Der Hüttenteich ist Überbleibsel der alten Produktionsweise und gilt als sanierungsbedürftiges Gewässer.
In der ausgebrannten Halle befanden sich nach Feuerwehrangaben sechs 900-Liter-Fässer mit Flusssäure und zwei 900-Liter-Fässer mit Schwefelsäure.

Verstärkung von Vattenfall
Neben den zwölf freiwilligen Feuerwehren aus der Region Forst und Döbern kam auch die mobile Einsatzzentrale der Berufsfeuerwehr Cottbus zum Einsatz. Zusätzlich wurden zwei Fahrzeuge der Werksfeuerwehr von Vattenfall Europe Mining angefordert, um bei Bedarf Zugriff auf die Schaumlöschkapazitäten der Werksfeuerwehr zu haben, berichtete Kreisbrandmeister Kätzmer.