Der Bewerber von der regierenden Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), der frühere Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz, kam demnach nur auf 46,8 Prozent. Der Wahlausgang bedeutet eine Schlappe für Staatspräsident Lech Kaczynski und seinen Zwillingsbruder, Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski. Lech Kaczynski war bis zur Wahl in das höchste Staatsamt selbst Bürgermeister von Warschau.
Die 54-jährige Gronkiewicz-Waltz feierte ihren Sieg als "rote Karte für die PiS". Marcinkiewicz empfahl seiner Partei, "Schlussfolgerungen aus diesem Ergebnis zu ziehen." In Umfragen hatte Marcinkiewicz, der nach dem Wechsel von Lech Kaczynski ins Präsidentenamt bereits übergangsweise den Bürgermeisterposten in Warschau übernommen hatte, vorne gelegen. Beide Kandidaten hatten in der ersten Runde der Kommunalwahlen am 12. November jeweils rund ein Drittel der Stimmen erhalten.
Insgesamt waren dabei 1600 Bürgermeisterposten vergeben worden. Über weitere 800 wurde am Sonntag in Stichwahlen entschieden. Die Wahlbeteiligung ging laut Wahlkommission von 42,5 Prozent im ersten auf rund 38 Prozent im zweiten Wahlgang zurück.
Die PiS scheiterte in der zweiten Runde auch in Krakow (Krakau). Der amtierende linke Bürgermeister Jacek Majchrowski verteidigte dort seinen Posten gegen seinen konservativen Herausforderer Ryszard Terlecki. In der zweitgrößten Stadt Polens, Lodz, setzte sich hingegen der konservative Kandidat Jerzy Kropiwnicki gegen den liberalen Rivalen Krzystof Kwiatkowski durch.
Während die regierende PiS in der ersten Runde in kleineren Städten und auf dem Land Erfolge erzielte, setzte sich die PO vorwiegend in größeren Städten durch. Die beiden an der Regierung beteiligten Rechtsparteien Samoobrona und Liga der polnischen Familien (LPR) schnitten allerorts sehr schwach ab.
Die Kommunalwahlen wurden als Denkzettel für die PiS und ihre nationalkonservative Regierung gewertet. Wegen Bestechungsaffären und Koalitionsstreitigkeiten hat sie seit ihrem Wahlsieg im September 2005 bei den Polen an Beliebtheit verloren. (AFP/ta)