Vor ein paar Wochen sorgte das Universitätsklinikum Kiel für alarmierende Schlagzeilen. Mehr als 30 Patienten hatten sich dort mit dem hoch gefährlichen Bakterium Acinetobacter baumanii angesteckt. 13 von ihnen starben. Untersuchungen ergaben, dass eine einzige Person die Verbreitung des Keims ausgelöst hatte. Und Kiel ist kein Einzelfall.

Experten zufolge könnten solche Katastrophen in Zukunft sogar noch häufiger auftreten. Zum einen, weil es immer mehr Erreger gibt, gegen die verfügbare Medikamente nichts ausrichten können. Zum anderen, weil die medizinischen Eingriffe immer komplizierter werden. Und drittens schließlich, weil in einer älter werdenden Gesellschaft auch immer mehr betagte Patienten behandelt werden, die naturgemäß weniger Abwehrkräfte besitzen. Insbesondere Patienten auf Intensivstationen gelten als potenzielles Angriffsziel der Killer-Keime.

Mit einem Zehn-Punkte-Plan, der der RUNDSCHAU vorliegt, will Gesundheitsminister Gröhe den multiresistenten Krankheitserregern den Kampf ansagen. Kern seines Positionspapiers, das noch mit den anderen zuständigen Ministerien abgestimmt werden muss, sind mehr Kontrollen und eine verbesserte Hygiene im stationären Bereich.

Zwar gab es ähnliche Maßnahmen schon in der Vergangenheit. Eine Antibiotika-Resistenzstrategie wurde entwickelt und vor vier Jahren das Infektionsschutzgesetz verschärft. Doch durchschlagende Erfolge stehen aus. Die Themen Hygiene, Qualitätssicherung und Transparenz bei behandlungsbedingten Infektionen würden "noch immer nicht mit der nötigen Priorität angegangen", heißt es in Gröhes Papier. Und das plant der CDU-Politiker:

Mehr Kontrolle: Schon heute sind Kliniken verpflichtet, Risikopatienten wie zum Beispiel Pflegebedürftige bei stationärer Aufnahme auf multiresistente Erreger zu untersuchen. Hier sollen die zuständigen Länder stärker auf die Einhaltung dieser Vorgabe achten. Zugleich erwägt Gröhe, künftig ausnahmslos alle Patienten vor planbaren Klinikaufenthalten entsprechend zu testen. In den Niederlanden gibt es diese Regelung bereits.

Geschultes Personal: Ärzte und Pflegekräfte sollen auf dem Gebiet der Krankenhaushygiene weitergebildet werden. Außerdem wird ein sachgemäßer Einsatz von Antibiotika angemahnt. Dazu soll eine verpflichtende Fortbildung des medizinischen Personals sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich eingeführt werden.

Bessere Informationen: Patienten sollen sich einfach und verständlich ein objektives Bild von der hygienischen Situation in der jeweiligen Klinik verschaffen können. Die Krankenhäuser werden deshalb verpflichtet, ihre Qualitätsberichte mit entsprechenden Informationen zu ergänzen. Dies könnte im Rahmen der geplanten Krankenhausreform umgesetzt werden. Der Gesetzentwurf dazu wird im Sommer erwartet. Darüber hinaus sollen Kliniken gefährliche Erreger schon beim ersten Nachweis melden, damit die Gesundheitsbehörden schnell handeln können .

Intensive Forschung: Zur Bekämpfung multiresistenter Erreger sollen verstärkt Forschungsvorhaben gefördert werden. Außerdem soll die Pharma-Industrie zur Entwicklung neuer Wirkstoffe angehalten werden, um bakterielle Infektionen wirksamer behandeln zu können.

Vom Koalitionspartner bekam Gröhe Rückendeckung für sein Vorhaben. "Damit geht der Minister auf unsere Vorstellungen ein", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, Hilde Mattheis, der RUNDSCHAU. Nötig sei allerdings auch mehr Personal, so Mattheis. Genau darauf hatte schon die Gewerkschaft verdi im Zusammenhang mit den Vorfällen am Kieler Uni-Klinikum hingewiesen: Personal- und Zeitmangel, so verdi damals, führten zu Verstößen gegen die Hygienevorschriften.