In Griechenland hat eine Woche voller Streiks und Protesten gegen den Sparkurs der Regierung begonnen. Parallel zittern die Griechen vor den anstehenden Entscheidungen der anderen Partner im Euroland. Erhofft wird eine dauerhafte Lösung des griechischen Finanzdramas beim EU-Gipfel am 23. Oktober. „Es ist die kritischste Woche für Europa und Griechenland“, sagte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou nach einem Treffen mit dem griechischen Staatspräsidenten Karolos Papoulias am Montag. Das Land brauche jetzt Eintracht, hieß es.

Angesichts dieser dramatischen Lage wollen sich der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou und der Oppositionschef Antonis Samaras treffen. Im Mittelpunkt der Gespräche werde die „explosive“ Lage in der griechischen Gesellschaft sowie die anstehenden Entscheidungen der EU bei ihrem Gipfel am 23. Oktober stehen, berichteten griechische Medien. Wie weit dieses Gespräch gehen wird, konnten Kommentatoren am Montag nicht einschätzen. Ein Versuch eine Große Koalition in Griechenland zu bilden war vergangenen Juni gescheitert.

Am Montag begannen griechische Arbeitnehmer mit massiven Streiks, die im Laufe der Woche noch ausgeweitet werden sollen. Zwischen Piräus und den Ägäis-Inseln gab es keine Fährverbindung. Probleme werde es auch im Fährverkehr zwischen Griechenland und Italien geben, kündigte die Seeleute-Gewerkschaft Pemen an. Mitte der Woche könnte der Luftverkehr des Landes erneut zusammenbrechen.

Die Müllabfuhr streikte den zehnten Tag in Folge: Müll lag in fast allen Stadtteilen Athens, obwohl die Regierung Privatunternehmen damit beauftragt hatte, die Müllberge zu beseitigen. Athens Bürgermeister Giorgos Kaminis schlug vor, dass das Militär die Müllabfuhr übernehmen könne. Das Verteidigungsministerium stellte daraufhin 170 Lastwagenfahrer zur Verfügung.

Die Streikenden protestieren gegen geplante Kürzungen ihrer Gehälter sowie gegen Entlassungen. Ärzte der staatlichen Versicherung (IKA) streikten am Montag ebenso wie Beamte des Finanzministeriums und der Steuerämter sowie Zöllner. Für Mittwoch und Donnerstag haben die beiden größten Gewerkschaftsverbände des staatlichen und privaten Bereichs zu massiven Streiks aufgerufen. Dann soll der Flugverkehr zusammenbrechen. Die Fluglotsen wollen am Dienstag bekannt geben, ob der griechische Luftraum am Mittwoch und Donnerstag vollständig oder nur für einige Stunden geschlossen wird.

Die Bus- und U-Bahnfahrer sowie die Taxieigner wollen ab Mittwochmorgen für 48 Stunden streiken. Am Dienstag soll es keine Nachrichten geben, weil die Journalisten die Arbeit für 24 Stunden niederlegen wollen.

Am Donnerstag will das Parlament in Athen ein neues Gesetz billigen, mit dem erstmals seit 100 Jahren Entlassungen von Staatsbediensteten ermöglicht werden sollen. Zudem sollen die Löhne und Gehälter von Beamten und anderen Staatsbediensteten um weitere 20 Prozent gekürzt und weitere Steuern erhoben werden.