Wie viele Flüchtlinge werden abgeschoben?
Auf den Inseln der Ostägäis sind etwa 5000 Migranten und Flüchtlinge nach dem Stichtag 20. März angekommen. Alle von diesem Tag an illegal aus der Türkei eingereisten Menschen sollen zurückgeschickt werden. Über die Zahl der Flüchtlinge, die am Montag abgeschoben werden sollen, herrscht Unklarheit. Für jeden Syrer, den die EU abschiebt, soll gleichzeitig ein anderer Syrer von den EU-Staaten auf legalem Weg aufgenommen werden. Bis zu 72 000 Syrer will die EU aus der Türkei aufnehmen.

Wen trifft es bei den Abschiebungen zuerst?
Offiziell ist alles noch unklar. Nach Informationen aus Kreisen der Küstenwache soll es jedoch etwa 600 Migranten geben, die kein Asyl beantragt haben. "Die werden wohl als Erste dran sein", sagt ein Offizier.

Wer wählt diese Menschen aus?
Wer einen Asylantrag stellt, soll im Schnellverfahren die Antwort Ja oder Nein bekommen. Mitarbeiter humanitärer Organisationen kritisieren dieses "Hauruckverfahren". In der Regel dauert in Europa ein Asylverfahren mehrere Monate. Asylexperten aus anderen EU-Staaten sollen zusammen mit den wenigen griechischen Asylrichtern diese Entscheidungen treffen. Sie sind aber noch nicht da, und die wenigen, die da sind, wissen noch nicht, wo sie arbeiten sollen.

Wie soll abgeschoben werden ?
Küstenwache und Polizei halten sich bedeckt. Sie wollen allem Anschein nach ihre Pläne nicht offenbaren, wie man aus einem Auffanglager mit bis zu 3000 wütenden Menschen diejenigen herauspickt, die ausgewiesen werden sollen. Sicherheitsexperten äußern seit Tagen Bedenken, einige befürchten, es könnte zu schlimmen Szenen kommen. Von der Insel Lesbos sollen die Menschen zum gegenüberliegenden türkischen Hafen von Dikili, von der Insel Chios zum türkischen Cesme gebracht werden. Eine dritte Variante ist der Grenzübergang am Fluss Evros (türkisch Meric) bei Kipoi-Ipsala im Nordosten Griechenlands.

Auf welche Probleme stellt sich Griechenland ein?
Die Menschen, die abgeschoben werden sollen, sind in ihrer Mehrheit dem syrischen Bürgerkrieg entkommen. Andere flohen vor den Taliban in Afghanistan. Die Sicherheitsbehörden befürchten, dass diese Menschen Widerstand leisten werden. "Wer holt sie dann aus den Lagern raus", fragen die Sicherheitsleute. Die Nerven unter den Migranten liegen blank. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten.

Was sagen Hilfsorganisationen?
Sie sind empört. Es könne nicht sein, dass man in wenigen Tagen über einen Asylantrag und damit ein Schicksal entscheidet. Bedenken werden zudem geäußert, ob die Türkei ein sicheres Drittland ist. Amnesty International beklagte bereits, der Flüchtlingspakt weise "fatale Mängel" auf. Die Organisation berichtet, die Türkei schiebe täglich Migranten und Flüchtlinge nach Syrien ab. Sie sei kein sicheres Drittland.

Was ist der Hintergrund der Abschiebungen?
EU-Ratspräsident Donald Tusk appellierte im März an alle potenziellen illegalen Wirtschaftsmigranten: "Egal, woher Sie stammen: Kommen Sie nicht nach Europa. Glauben Sie nicht den Schmugglern. Riskieren Sie nicht Ihr Leben und Ihr Geld." Der Flüchtlingspakt wurde inzwischen auch auf Flüchtlinge aus Syrien ausgeweitet. Auch sie sollen an die Türkei überstellt werden.

Wie reagieren die Schleuser?
Es kommen im Moment bedeutend weniger Migranten und Flüchtlinge als in den Vormonaten an. Die Schleuser suchen aber bereits nach Alternativwegen Richtung Italien.