Die Griechen haben sich entschieden - und zwar für ein Ende der Reformen, die dem Land nach der Schuldenkrise verordnet worden war. Nach Auszählung etwa der Hälfte der Stimmen lag für die Linkspartei am späten Abend die absolute Mehrheit greifbar nahe. Für eine absolute Mehrheit sind 151 der 300 Sitze nötig. Die bislang regierenden Konservativen erreichten laut den ersten Hochrechnungen 28,3 Prozent der Stimmen. Alle anderen Parteien waren abgeschlagen.

Syriza hatte im Wahlkampf angekündigt, die harte Sparpolitik in Griechenland zu beenden - und das sofort. Die Mindestlöhne im Privatsektor sollen auf das Niveau vor der Krise steigen. Niedrige Renten sollen angehoben, Privatisierungen sofort gestoppt werden. Mindestens 9500 entlassene Staatsbedienstete sollen zurück an ihren Arbeitsplatz.

Vor einer solchen Politik hatten europäische Politiker im Vorfeld gewarnt. Entsprechend wurde die Wahl weltweit beobachtet. Griechenland braucht dringend eine handlungsfähige Regierung. Das Hilfsprogramm der internationalen Geldgeber läuft Ende Februar aus. Die Euro-Finanzminister wollen bereits am heutigen Montag über den weiteren Weg des Krisenlandes sprechen - auch wenn konkrete Beschlüsse noch nicht geplant sind. Die EU und der Internationale Währungsfonds haben dem Land bisher Darlehen über 240 Milliarden Euro gewährt. Bundesbankpräsident Jens Weidmann mahnte in der ARD: "Ich hoffe, dass die neue griechische Regierung keine illusionären Versprechungen macht, die sich das Land nicht leisten kann." Meinung Seite 2