Wenn der schwedische Staat als Eigentümer von Vattenfall Geld drauflegen soll, um die Tagebaue und Kraftwerke abzuwickeln, hätte er das auch ohne die Umweltschützer längst in die Wege leiten können. Das ist aber nicht der Fall. Das Braunkohlegeschäft wurde international ausgeschrieben und das offenbar, damit der Käufer es weiterbetreibt.

Denn die Bewerber, außer Greenpeace mindestens noch zwei tschechische Konzerne, müssen nach RUNDSCHAU-Recherchen ihre fachliche Eignung belegen. Dafür sollen sie nachweisen, dass sie ein Geschäft dieser Größenordnung im Energiebereich schon mal abgewickelt haben. Die Stiftung, mit der Greenpeace als Käufer auftreten will, muss aber erst noch gegründet werden.

Egal, welcher Preis für die Tagebaue und Kraftwerke im Lausitzer Revier letztendlich gezahlt wird, Vattenfall hat keinen Euro zu verschenken. Durch den Kauf des niederländischen Stromunternehmens Nuon, das hauptsächlich Gaskraftwerke betreibt, hat Vattenfall einige Milliarden Euro als Verlust abschreiben müssen.

Auch Braunkohle-Kraftwerke stillzulegen, ist nicht einfach. Nur wenn Netzbetreiber und Bundesnetzagentur nach langer Prüfung ein Kraftwerk als nicht systemrelevant für Netzstabilität und Versorgungssicherheit einstufen, darf abgeschaltet werden.

Die Vattenfall-Belegschaft in der Lausitz ist bis 2017 durch eine Betriebsvereinbarung vor betriebsbedingten Kündigungen sicher. Mitbestimmung und gewerkschaftlicher Organisationsgrad sind im Bergbau besonders groß. Ute Liebsch, Bezirksleiterin Cottbus der Bergbaugewerkschaft IG BCE, wirft Greenpeace vor, auf unfaire Art Unsicherheit im Revier zu schüren.