Greenpeace Schweden ist eine gemeinnützige Organisation, die selbst nicht gewinnorientiert tätig sein darf. Wer (welche juristische Person/Gesellschaft) soll konkret als Käufer auftreten?
Derzeit hat Greenpeace Schweden mit einem " Letter of Interest" Interesse an der Braunkohlesparte des Staatskonzerns Vattenfall bekundet. Vattenfall wird im weiteren Prozess abwägen, welche Interessenten mit welchen Informationen versorgt werden. Erst der Einblick in die Geschäftsunterlagen ermöglicht weitere Überlegungen.

Will Greenpeace das gesamte Angebotspaket kaufen (Tagebaue, Kraftwerke, Wasserkraftwerke), oder nur die Tagebaue?
Das oberste Interesse von Greenpeace ist, dass keine neuen Tagebaue in der Lausitz aufgeschlossen werden, die Zerstörung der Landschaft nicht weitergeht, das Klima geschützt wird und keine weiteren Menschen umgesiedelt werden müssen. Ohne Einblicke in die Unterlagen wird kein Interessent das Angebot bewerten können.

Welche finanziellen Vorstellungen hat Greenpeace für den Erwerb?
Das Braunkohlengeschäft birgt eine Vielzahl von Risiken wie die Kosten für Renaturierung, die Folgen der Wasserverschmutzung und weitere Bergbaufolgekosten. Der Wert des Geschäfts ist ohne Einblicke höchst unklar. Fest steht, dass Vattenfalls letzte Geschäftszahlen ein nicht sonderlich positives Bild abgeben und auch politisch die Braunkohle auf der Kippe steht.

Wie soll das Geld für den Kauf aufgebracht werden? Gibt es bereits finanzielle Mittel, die dafür bereit stehen? Wenn ja in welcher Höhe?
Greenpeace Deutschland wird keine Spendengelder für einen Kauf des Braunkohlengeschäfts investieren. Wie auch schon oben genannt, ist der Wert des Unternehmens unklar und daher alle Aussagen dazu spekulativ.

Welche unternehmerischen Konzepte würde Greenpeace im Falle eines Erwerbes verfolgen? Würde die Stromproduktion z. B. systematisch reduziert? Gibt es eine Zielmarke, bis wann der Bergbau komplett eingestellt werden soll?
Greenpeace hat am Montag eine Abschaltliste aller Braunkohlekraftwerke in Deutschland veröffentlicht, auch für die Kraftwerke von Vattenfall. Wir arbeiten an dem Ziel, dass alle Braunkohlekraftwerke bis 2030 stillgelegt werden und in Deutschland keine neuen Tagebaue aufgeschlossen werden. Bestehende Tagebaue sollen im Rahmen der Betriebszeiten der Kraftwerke weiterbetrieben werden.

Gibt es konkrete Vorstellungen, wie für die derzeit rund 8000 direkten Vattenfall-Mitarbeiter in der Lausitz und für zig Tausende davon abhängige Arbeitsplätze Ersatz geschaffen werden kann?
Eine Diskussion über den Strukturwandel in den Kohlegebieten ist längst überfällig. Bisher hat es die Politik versäumt, ernsthafte Konzepte aufzuzeigen obwohl klar ist, dass die Braunkohlenverstromung in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten endet. Dieser längst überfällige Prozess muss endlich beginnen und alle Akteure mit einbeziehen. Unsere Studie "Vattenfalls Chance" hat einen Beitrag zu der Debatte geleistet, der Prozess muss aber unabhängig von dem Verkauf verantwortungsvoll vorangetrieben werden.

Mit Susanne Neubronner (Greenpeace Deutschland) sprach

Simone Wendler