Flüchtlinge ohne Aufenthaltsstatus, so genannte Illegale, haben keine Chipkarte, keine Krankenversicherung und meistens auch kein Geld für eine medizinische Behandlung. Nach Schätzungen von "Pro Asyl" leben in Deutschland 500 000 bis eine Million Ausländer ohne Papiere.

Still geduldete Hilfe
Im Prinzip besteht für sie zwar ein gesetzlicher Anspruch auf medizinische Versorgung, sie müssten den Ämtern dann aber ihre Daten mitteilen. Das ist vielen zu gefährlich. Vor 15 Monaten wurde eine Kongolesin aus Niedersachsen abgeschoben, nachdem sie beim Ausländeramt einen Krankenschein für die Geburt ihres Kindes beantragte. Nach wochenlanger Haft in Kinshasa starben Mutter und Baby bei der Entbindung.
Mit stiller Duldung der Behörden organisieren private Initiativen in mehreren Städten eine ärztliche Versorgung für die "Illegalen". In Berlin können sich die Betroffenen von der "Malteser Migranten Medizin" anonym behandeln lassen. In Göttingen werden sie vom Verein "Medizinische Flüchtlingshilfe" unterstützt.
"Im Schnitt kommen zwei Mal in der Woche Flüchtlinge ohne Papiere und Krankenversicherung zu uns, die zum Arzt müssen", berichtet Melanie Weyerstall von der Göttinger Initiative. Der Verein habe Kontakt zu Ärzten, die regelmäßig "Illegale" behandeln - zumeist kostenlos und ohne nach ihrer Adresse und ihnen Papieren zu fragen. Auch einige Krankenhäuser seien in das Netzwerk eingebunden, "die übernehmen bei Operationen oder Geburten zumindest einen Teil der Kosten".
Trotz dieser Angebote können illegal in Deutschland lebende Menschen nicht immer angemessen behandelt werden. "Viele von ihnen sind schwer traumatisiert und brauchen deshalb eigentlich eine Psychotherapie", sagt Weyerstall. Solche Therapien seien aber nicht zu finanzieren, selbst wenn Psychologen oder Fachärzte sie zu reduzierten Honoraren anböten. Dasselbe gelte für langwierige Zahnbehandlungen oder Zahnersatz.
Manchmal sagen Mediziner auch aus anderen Gründen ab. Einige Ärzte seien verunsichert und hätten Angst, sich der Beihilfe zu illegalem Aufenthalt strafbar zu machen, weiß der Göttinger Migrationsforscher Holk Stobbe. Zu Anklagen oder auch nur Ermittlungen sei es wegen medizinischer Hilfe für Menschen ohne Aufenthaltspapiere bislang jedoch nicht gekommen.

Beispiel Niederlande
Stobbe hält es für einen "Skandal, dass es Menschen in Deutschland gibt, die keinen Zugang zur öffentlichen Gesundheitsversorgung haben". Wie eine medizinische Versorgung für diesen Personenkreis organisiert werden könnte, hat der Wissenschaftler in den Niederlanden beobachtet. Dort erhielten die Betroffenen anonymisierte Krankenscheine. Die Kosten dafür trage ein öffentlicher Fonds, in den die Kommunen und der Staat Geld einspeisten.