Am Mittwoch feierte Bondy seinen 65. Geburtstag.

Für den Regiestar ist das kein Grund, über die Rente nachzudenken. Er konzentriert sich einfach auf eine neue Bühne. Seit einem Jahr leitet er das Théâtre de l'Odéon in Paris, bis vor Kurzem neben seinem Job als Intendant der Wiener Festwochen.

Beim Adieu gab es neben dem Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ein Dankeswort des Kulturstadtrats, in dem Bondys "Kampf gegen die Verblödung" gewürdigt wurde. Wohl auch, weil er an der Donau, wie überall, mit klaren Ansagen zu Themen der Zeit, darunter zur wachsenden Fremdenfeindlichkeit, Stellung nahm. "Wir müssen Haltung beziehen und nicht die Sachen geschehen lassen", forderte Intendant Bondy.

Schon mit 25 Jahren war Bondy einer der gefragtesten Theatermacher der Welt. Mitte der 70er-Jahre feierte der in Zürich geborene Sohn des Literaturkritikers und Publizisten François Bondy Erfolge mit Ionescos "Die Stühle" in Nürnberg und Ödön von Horváths "Glaube, Liebe, Hoffnung" am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Der "Wunderknabe des deutschen Theaters" war knapp 30, als er in Hamburg seine erste Oper inszenierte - "Lulu" von Alban Berg.

Kritiker loben Bondy für eine unverwechselbare Bühnensprache, Feingefühl und die Fähigkeit, tiefe Sinneseindrücke mit sparsamen, aber aussagekräftigen Gesten statt mit Brimborium zu vermitteln. "Ich hasse diese Inszenierungen von Leuten, die in jeder Sekunde ihre Fantasie beweisen müssen", sagte er einmal.

In Deutschland ist Bondys Kunst besonders mit der Berliner Schaubühne verbunden. Bondy gehörte dem Direktorium des Hauses von 1985 bis 1988 an. Doch Krankheiten zwangen ihn, den renommierten Job aufzugeben. Ein Schicksal, das Bondy 2008 auch an der Berliner Volks bühne ereilte: Wegen einer akut notwendigen Rückenoperation musste er Proben abbrechen.