So gilt der von ihm gestaltete Cottbuser Park und das Schloss Branitz als ein Gartenkunstwerk von europäischem Rang. Und selbst über der vom Braunkohleabbau gezeichneten Südbrandenburger Bergbaulandschaft schwebt der Geist des Adelsgeschlechtes: Seit Jahren gibt ihr die Internationale Bauausstellung (IBA) „Fürst-Pückler-Land“ ein neues Gesicht. Heute führt ein Urgroßneffe des „grünen Fürsten“, der 68-jährige Sylvius Graf von Pückler, das Vermächtnis fort.

Wechselvolle Wendezeit
„Es war damals nach der Wende in der DDR schwierig, hier wieder Fuß zu fassen“, erinnert sich der Münchner Unternehmer. Die gräfliche Familie durchlebte eine wechselvolle Zeit, nachdem in den 1990er-Jah ren ihre Bemühungen um die Rückübertragung des einstigen Familienbesitzes gescheitert waren. „Unsere Ansprüche auf Schloss und Park Branitz ließen sich nicht verwirklichen“, erzählt der Blaublütige. „Wir haben nur bewegliche Sachen wie die Bibliothek, Kunstgegenstände und Bilder zurückbekommen, die jetzt als Dauerleihgaben im Schloss zu sehen sind.“
Im malerischen Branitzer Park mit seinen beiden Pyramiden, Hügeln und stillen Seen hat der Graf mit Frau Elke und Sohn Max einen zweiten Wohnsitz in einem Haus, das aus einer Ruine wieder aufgebaut wurde. Dorthin zieht es den Manager, Forstwirt und passionierten Jäger, der oft geschäftlich unterwegs ist, etwa alle zwei Wochen. In Wien geboren, wuchs er noch bis 1945 in Branitz auf. Inzwischen ist er Kuratoriumsvorsitzender der städtischen Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz. Außerdem wirkt der Graf als Ehrensenator der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus und beteiligt sich an öffentlichen Debatten. Der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) lobt: „Graf Pückler ist mit seinem Engagement für den Wissenschafts- und Kulturstandort Cottbus ein großer Gewinn. Er berät uns in der Kommunalpolitik und im Marketing und bringt die Stadt in Deutschland und der Welt immer wieder ins Gespräch.“
Auch die frühere Pücklersche Standesherrschaft in Bad Muskau (Kreis Görlitz) wird von einer Stiftung verwaltet, wo der Graf für einen Beiratsposten vorgesehen ist. Das Areal mit dem Renaissance-Schloss gehört wie sein polnisches Pendant jenseits der Neiße seit 2004 zum Unesco-Weltkulturerbe. „Diesen Status wollen wir auch mit Park und Schloss Branitz langfristig in einem Ergänzungsantrag anstreben“, kündigt Pückler an.
Im Braunkohlerevier hilft die IBA zehn Jahre lang bis 2010 mit Projekten, für die Bewohner wieder eine lebenswerte Region zu schaffen. Auch dort war die gräfliche Familie nach 1990 mit ihrem Versuch gescheitert, früheren Waldbesitz zurückzuerhalten. Dabei zog nicht einmal das Argument, der Vater des Grafen habe zu den Offizieren des Widerstandes gegen Hitler gehört. Weil das 1945 bei der Bodenreform aufgeteilte Land gemäß einer angeblichen Bedingung der Sowjetunion nicht an die Alteigentümer zurückgegeben werden durfte, gingen die Pückler-Nachfahren leer aus. „In einem persönlichen Gespräch hat mir Michail Gorbatschow gesagt, dass es eine solche Bedingung tatsächlich nie gegeben hat“, berichtet Pückler. „Wir mussten dann unseren eigenen Wald hier wieder zurückkaufen“, erzählt der Graf und lobt im gleichen Atemzug die Unterstützung durch den damaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) und die Stadt Cottbus.

Sorge wegen Bergbau-Plänen
Gegenwärtig bewirtschaftet der Adlige rund 800 Hektar Wald zwischen Cottbus und Bagenz (Spree-Neiße). Sorgen bereiten ihm Pläne des Energiekonzerns Vattenfall Europe, in etwa 20 Jahren den neuen Braunkohletagebau Bagenz-Ost zu beginnen. Wieder aufgeforstete Rekultivierungsflächen lehnt er als Ersatz ab, weil diese keinen Ertrag brächten; vielmehr legt er Wert auf natürlichen Wald.