"Labour ist die Partei der fortschrittlichen Veränderungen", betonte Brown gestern im südenglischen Bournemouth bei seinem ersten Auftritt auf einem Labour-Parteitag als Regierungschef. Während der mehr als einstündigen Rede, die einem Wahlkampfprogramm glich, vermied Brown es, auf Spekulationen über vorgezogenen Wahlen einzugehen.
Lediglich am Anfang erlaubte er sich dazu einen Scherz: Seine Antwort auf die Frage, ob er seinen Job jemand anderem empfehlen könne, lautete "Noch nicht". Brown malte in seiner teils patriotischen Rede für das Vereinigte Königreich die Vision eines blühenden Landes aus, das zu den einflussreichsten und wohlhabendsten der Welt gehört.
Der Weg des Wirtschaftswachstums unter den Bedingungen der Globalisierung werde energisch weiter verfolgt. Ziel sei es, die Arbeitslosigkeit zu überwinden, verkündete Brown, der vor drei Monaten den zurückgetretenen Tony Blair als Premierminister abgelöst hatte. "Ich werde mich immer für ein starkes Großbritannien einsetzen, ich werde mich immer für Euch einsetzen!", rief Brown den Delegierten zu, die seine Rede mit Beigeisterung aufnahmen.
Brown verwies auf die zahlreichen ernsten Probleme, mit denen Großbritannien seit seiner Amtsübernahme im Juni konfrontiert gewesen sei - versuchte Terroranschläge, Überschwemmungen, die Maul- und Klauenseuche und die Bankenkrise. Die Briten hätten all dies unter der Labour-Führung bestens gemeistert.
Der Premierminister ging nur kurz auf die internationale Politik ein. Der Kampf gegen den Terrorismus werde entschlossen fortgesetzt, aber künftig stärker als "Kampf um die Köpfe und Herzen" geführt. Diese bedeute auch, dass Großbritannien sich stärker für die weltweite Überwindung der Armut einsetzen müsse.
Brown versprach zahlreiche Verbesserungen im sozialen Bereich. So solle für alle Kinder aus ärmeren Familien gesichert werden, dass sie ohne finanzielle Zwänge eine Hochschulausbildung absolvieren könnten. Die Mindestlöhne sollten angehoben werden.
Kurz zuvor hatte Brown in einem BBC-Interview erneut baldige Wahlen nicht ausgeschlossen. Vorrang habe allerdings, dass er seine wichtigen aktuellen Aufgaben als Premierminister wahrnehme und dass die Partei der Bevölkerung ihre politische Vision für die Lösung anstehender Probleme darlege. Nach Medienangaben wird Brown von führenden Labour-Politikern gedrängt, jetzt Wahlen anzusetzen. Dabei wird über einen Termin Ende Oktober oder spätestens Anfang November spekuliert. Nach Meinungsumfragen liegt Labour derzeit deutlich vor der oppositionellen Konservativen Partei. Eine gestern von "Sun" veröffentlichte Umfrage sieht die La bour-Partei sogar mit acht Prozentpunkten in Führung. (dpa/cd)