Mit dem aufrüttelnden Flüchtlings-Drama "Fuocoammare" hat bei der Berlinale erstmals seit Jahrzehnten ein Dokumentarfilm den Goldenen Bären gewonnen. Der italienische Regisseur Gianfranco Rosi (51) widmete den Preis am Samstag bei einer Gala in Berlin den Menschen auf der Mittelmeerinsel Lampedusa, wo jährlich Hunderttausende Flüchtlinge Schutz suchen. Jury-Präsidentin Meryl Streep nannte den Film "das Herz der Berlinale". Der einzige deutsche Beitrag im Wettbewerb, das Abtreibungsdrama "24 Wochen", ging leer aus.

Rosi, vor drei Jahren ebenfalls für eine Dokumentation mit dem Goldenen Löwen von Venedig geehrt, erzählt in "Fuocoammare" (deutsch: Feuer auf See) in teils schonungslosen Bildern vom Flüchtlingselend im Mittelmeer. "In diesem Augenblick gehen meine Gedanken an all jene Menschen, die es nicht geschafft haben, auf Lampedusa anzukommen - der Insel der Hoffnung", sagte Rosi vor rund 1600 Gästen im Berlinale-Palast.

Der italienische Kulturminister Dario Franceschini äußerte sich stolz über die Auszeichnung. "Dieser Film rüttelt die Welt auf und erinnert uns an die Notwendigkeit, dem Flüchtlingsdrama gemeinsam und menschlich zu begegnen", erklärte er.

Die Berliner Festspiele zeigten bei ihrer 66. Ausgabe bewusst viele Filme, die sich mit aktuellen politischen Themen auseinandersetzen. Bis zum Freitag wurden bei dem Festival 25 000 Euro für Flüchtlinge gesammelt. Im Vorjahr hatte der verfolgte iranische Filmemacher Jafar Panahi mit seiner Tragikomödie "Taxi" den Goldenen Bären gewonnen.

Als beste Darstellerin konnte sich die dänische Schauspielerin Trine Dyrholm (43) in Thomas Vinterbergs Film "Die Kommune" durchsetzen. Bester Schauspieler wurde der Tunesier Majd Mastoura in der Emanzipationsgeschichte "Hedi".