Yvonne Catterfeld im Regen: Seit Dienstag steht die Schauspielerin (35, bekannt aus "Sing meinen Song" oder "Die Schöne und das Biest") in Görlitz vor der Kamera. In "Wolfsland" bildet sie mit Götz Schubert (52, "Der Turm") ein Ost-West-Ermittlerteam. In ihrem ersten Fall sind die Hamburger Kriminalistin und der Lausitzer Eigenbrötler konfrontiert mit der Leiche eines Anwalts.

"Der eine hat schon einen langen Weg hinter sich. Große Liebe, große Pläne, große Hoffnungen - großes Scheitern. Jetzt flieht er, ohne sich einen Millimeter zu bewegen, flieht vor Veränderungen jeder Art. Die andere flieht auch: vor Hamburg, vor ihren Eltern, vor einem Albtraum von Ehe, vor ihrem alten Leben. Görlitz als Hoffnung", so beschreibt die ARD den Inhalt des Krimis.

Ruppiger Start

Der Start ins neue Leben wird allerdings für die beiden Ermittler viel ungemütlicher und ruppiger als erwartet. Gleich der erste Fall führt die neuen Kommissare Burkhard "Butsch" Schulz (Schubert) und Viola Delbrück (Catterfeld) nicht nur krachend zusammen, sondern auch gemeinsam an ihre Grenzen: Sie bekommen es mit einem jungen polnisch-deutschen Paar zu tun, das auf seiner chaotischen Flucht Tod, Angst und Zerstörung hinterlässt. Butsch und Viola jagen Jenni und Marke. Und werden schließlich selbst zu Gejagten.

Der Start der Dreharbeiten verlief ebenfalls eher ungemütlich. Vergleichsweise kalt und regnerisch präsentierte sich Görlitz am ersten Drehtag. Unter Schirm und Plane mussten die Arbeiten zum Teil erledigt werden. Die Kolonnaden der Altstadt boten zum Glück genügend trockene Unterstellplätze.

Neben den beiden Promis ist Görlitz selbst der Star des Films. Als östlichste Stadt Deutschlands soll sie dem Krimi eine ganz besondere Note geben. "In der Stadt, der Oberlausitz und dem Dreiländerdreieck vermuten wir spannende, auch grenzüberschreitende Geschichten und eine Mentalität, die wir im deutschen Krimi noch nie hatten", sagt MDR-Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi.

Görlitz ist als Filmkulisse ja längst keine Unbekannte mehr. Im April und Mai erst stand hier Emma Thompson (56) für den Kinofilm "Jeder stirbt für sich allein" vor der Kamera. Filme wie "Der Vorleser" oder "Inglourious Basterds" entstanden an der Neiße. Auch Teile des Oscar-Gewinners "The Grand Budapest Hotel" wurden hier gedreht und haben der Marke "Görliwood" Gewicht verliehen. "Das hat definitiv geholfen", sagt Livia Kaiser, Projektmanagerin der Europastadt Görlitz/Zgorzelec. "Wir nutzen dieses Image auch gezielt in der Vermarktung." Mit mehreren Interessenten gebe es derzeit Gespräche für Filmarbeiten, darunter auch weitere Hollywood-Produktionen, wie Kaiser berichtet. Regisseur Vincent Perez, der mit Emma Thompson in Görlitz gedreht hat, bekennt sich als Fan von Görliwood. "Ich habe mir sogar ein T-Shirt mit dem Schriftzug gekauft", verrät er, schwärmt von den traumhaften Kulissen - und prognostiziert der Stadt eine Zukunft als "Hype-City".

Mehr als nur Kulisse

Mit Wolfsland will der MDR allerdings über dieses Image der Stadt hinaus gehen. "Die Stadt hat bislang nicht als lebendige Kommune, sondern lediglich als pittoreske Kulisse eine filmische Rolle gespielt. In Wolfsland darf die Stadt Görlitz ganz sie selbst sein", so der MDR.

Der voraussichtliche Sendetermin für den Görlitz-Krimi ist 2016. Wenn "Wolfsland" beim Publikum ankomme, könne eine Krimi-Reihe daraus werden, kündigt ein ARD-Sprecher an. Bis 12. August wird in der Neißestadt und Umgebung gedreht.