Sprachliche Barrieren gibt es dabei nicht, denn in der Görlitzer Frauenklinik arbeiten mittlerweile drei gebürtige Polen als Ärzte, sagt Klinikum-Geschäftsführer Christoph Freitag.
Das Krankenhaus in der Neißestadt rechnet in der nächsten Zeit mit monatlich 50 bis 100 polnischen Patientinnen, die es betreuen könnte. Dabei sind auch bis zu zehn operative Eingriffe und zwei bis drei Entbindungen einkalkuliert. "Ein erster Anfang ist gemacht", freut sich Freitag. Schätzungsweise 30 Frauen pro Monat kommen inzwischen in die Sprechstunde und werden auf eigene Kosten behandelt.
Das städtische Unternehmen versucht damit schon jetzt, neue Patienten im sich erweiternden EU-Gebiet zu gewinnen, gesteht der Geschäftsführer. Das Klinikum biete die Betreuung jedoch keineswegs hinter dem Rücken des Krankenhauses im benachbarten Zgorzelec an, zu dem es gute Kontakte habe. Überhaupt geht die Görlitzer Einrichtung längst über Grenzen.
Ende 2001 kam das ostsächsische Schwerpunktkrankenhaus mit der Medical University in Breslau (Wroclaw) ins Gespräch, erinnert sich Freitag. Im November vergangenen Jahres schloss sein Haus für das Mammazentrum und die Klinik für plastische Chirurgie einen Kooperationsvertrag mit der polnischen Universitätsklinik ab. Die Zusammenarbeit wurde vor allem auf dem Gebiet der plastischen, Mund-, Kiefer-, Gesichts- und rekonstruktiven Chirurgie sowie bei der Nachsorge von Brusttumoren vereinbart, um bei Hospitationen, Vorträgen oder Weiterbildungen Erfahrungen und neueste Erkenntnisse untereinander auszutauschen. Am Tag der Vertragsunterzeichnung bekam die Leitung des Klinikums auch die Botschaft, dass es ab 2003 akademisches Lehrkrankenhaus für die Breslauer Universitätsklinik wird.
Spätestens ab dem Herbstsemester sollen die ersten Medizinstudenten und Doktoranden aus Polen in Görlitz anfangen. Etwa zehn Anmeldungen dafür sind bislang eingegangen, sagt Freitag. Das Görlitzer Klinikum war bereits Lehrkrankenhaus für die Universität in Dresden, bis der Vertrag 1995 gekündigt wurde. Dass die Einrichtung jetzt wieder einen solchen Status bekommen hat und das noch dazu für eine polnische Klinik, nennt Freitag ohne Übertreibung einem großen Erfolg.
Durch die Arbeit als Lehrkrankenhaus kann das Klinikum selbst guten Nachwuchs für das eigene Haus ausbilden, auch wenn es derzeit mit knapp 900 Mitarbeitern eine stabile Personalsituation hat. Und nicht zuletzt steigt das Ansehen des Görlitzer Unternehmens über Grenzen hinweg. Internet: www.klinikum-goerlitz.de