D er Zittauer Damasthändler Johann Christian Ameiß suchte sich offensichtlich ein Filetstück aus, als er sich 1726/27 ein Wohnhaus an einer Ecke des Görlitzer Untermarktes bauen ließ. Von seinem Reichtum zeugen herrschaftliche Räume mit prunkvollen Stuckdecken. "Nicht überliefert ist, was er besaß", sagt Jasper von Richthofen. Der Leiter des Kulturhistorischen Museums und seine Mitarbeiter müssen Einfallsreichtum beweisen, wenn sie die leere Wohnung des früheren Hausherrn in diesem Jahr einrichten. Zur Restaurierung dafür vorgesehener Möbel, Kunstwerke und Accessoires erhalten sie Hilfe über Fördermittel.

Seit Juli 2011 steht das frisch sanierte Barockhaus in der Görlitzer Neißstraße für Besucher wieder offen. Mehreren Räumen in der ersten Etage fehlte jedoch bislang die Ausstattung. Das wird nun nachgeholt. Am 7. September soll die neue Dauerausstellung zur "Bürgerlichen Kultur des Barocks" öffnen. Ein Teil davon ist die möblierte Wohnung von Ameiß. "Wir haben ein Bild von Großbürgertum, was er darin stehen hatte", erzählt von Richthofen. Aus dem eigenen Fundus wählen die Museumsleute deshalb Originalstücke aus jener Zeit aus. "Das ist genau unser Kunstgriff."

Eine prächtige Kulisse gibt die Einrichtung vor. Ameiß hatte seinerzeit mit Damast und Leinen aus der Oberlausitz gehandelt. Die Textilien verkaufte er in ganz Europa, berichtet Kai Wenzel, Kunsthistoriker im Görlitzer Museum. Das barocke Haus zeige, wie reich man damit werden konnte. Bei der Sanierung kam edler Stuck an den Decken wieder zum Vorschein. Vier Restauratorenwerkstätten arbeiteten drei Monate lang daran, um Blütenranken und filigrane Figuren freizulegen, die unter 14 Anstrichen verborgen waren.

Sieben Räume richten Wenzel und seine Kollegen ein - "mit viel Fantasie, wissenschaftlich begründet, aber ohne Spinnerei", wie er sagt. Ein prachtvoller Sekretär und ein Spieltisch etwa sollen den kleinen Salon zieren. Ein großer Esstisch wird in der Diele aufgestellt, wo Familie Ameiß im Alltag gespeist haben soll. In den Vitrinen zwischen Schlaf- und Ankleidezimmer werden Exponate wie Parfüm-Flakons, Schnupftabakdosen, Schmuck und Gläser zu sehen sein.

Ein um 1730 entstandener Ofen steht bereits im Großen Salon. Das in der Oberlausitz hergestellte Stück stammt aus dem Schloss Hörnitz bei Zittau. Das Görlitzer Museum erhielt den Ofen nun als Dauerleihgabe von den Staatlichen Kunstsammlungen aus Dresden. Im selben Raum bekommt auch ein etwa 250 Jahre altes Clavichord seinen Platz. Zuvor wird das seltene Tasteninstrument restauriert. Die Rarität zähle zu den ältesten Objekten des Museums und sei wiederentdeckt worden, als das Barockhaus für die Sanierung geräumt wurde, erzählt Wenzel.

Den Blick in die großbürgerliche Wohnung ergänzt eine barocke Kunstkammer. Skulpturen, Malerei, sakrale Kunst, Porzellan, Prunktextilien sowie Schmiedearbeiten aus Gold und Silber sollen dort künftig gezeigt werden. Zusätzlich wird ein Kabinett mit Raritäten und Kuriositäten eingerichtet, die aus dem Besitz des Schweidnitzer Rechtsgelehrten Johann Gottlieb Milich (1678-1726) stammen. Er hatte der Stadt Görlitz 1726 seine Sammlung von Büchern und Objekten vererbt, darunter 7000 Bände, 200 Handschriften und 500 Münzen.

Der Nachlass von Milich bildete einen wichtigen Grundstock für die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften. Im Sommer 2011 nahm sie ihren historischen Büchersaal im sanierten Barockhaus wieder in Besitz. Besucher dürfen beim neu gestalteten Museumsrundgang seither auch ohne Führung einen Blick in den einzigartigen Raum werfen. Die bogenförmigen Regale mit etwa 20 000 Bänden hinterlassen zweifellos Eindruc k.