Dies entschied abschließend der Bundesgerichtshof und bestätigte damit das Urteil des Berliner Kammergerichts vom 23. September 2004.
Derzeit wird der Rücktransport des Gemäldes ins Kulturhistorische Museum organisiert, wo es zukünftig einen würdigen Platz in der zukünftigen Gemäldegalerie des noch zu sanierenden Kaisertrutzes erhalten soll. Der Görlitzer Öffentlichkeit und den Medien wird es bereits am 18. Mai im Johannes-Wüsten-Saal des Kulturhistorischen Museums in der Neißstraße 30 feierlich präsentiert.
Das seit 1945 verschwundene Gemälde galt jahrzehntelang als Kriegsverlust und war unter anderem seit 1998 in der Datenbank www.lostart.de der Magdeburger Koordinierungsstelle für Kulturgutsverluste als Eigentum des Kulturhistorischen Museums Görlitz gelistet. Im Januar 2002 wurde es dann überraschend durch den Kunsthändler Rainer März dem Jüdischen Museum in Berlin für 380 000 Euro zum Kauf angeboten. Nach kurzer Internet-Recherche und Feststellung der Görlitzer Provenienz des Gemäldes, schaltete die Sammlungsleiterin des Jüdischen Museums, Dr. Inka Bertz, das Landeskriminalamt Berlin ein. Kurz darauf erhielt auch die Leitung des Kulturhistorischen Museums in Görlitz Information über das unverhoffte Auftauchen des Bildes. Nun war schnelles und unbürokratisches Handeln geboten. Marius Winzeler, Kunsthistoriker am Görlitzer Museum, konnte die Identität des Werkes bestätigen. Zweifelsfrei handelte es sich um jenes Ölbild, das 1903 von Carl Gustav Henneberg, einem gebürtigen Görlitzer und wohlhabenden Seidenfabrikanten in Zürich, dem damals neu gegründeten Kaiser-Friedrich-Museum geschenkt worden war.
Als Beweisstück im später allerdings eingestellten Ermittlungsverfahren gegen den Verkäufer wegen des Verdachtes der Hehlerei wurde das Werk am 8. März 2002 durch die Berliner Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Am 26. März meldete die Stadt Görlitz ihre berechtigten Eigentumsansprüche an dem Gemälde an und forderte nachdrücklich dessen Herausgabe. Seither befassten sich die Gerichte mit dem Fall.
Lesser Ury (1861 bis 1931) als jüdischer Künstler vor allem für seine Landschaftsdarstellungen und Berliner Stadtbilder bekannt, widmete sich in einer Reihe von Monumentalgemälden auch biblischen Sujets. Als erstes Gemälde in dieser Reihe entstand im Jahr 1896 „Jerusalem“ . Es zeigt in starkem Gegenlicht eine Gruppe von neun trauernden Frauen und Männern, vor zwei Bäumen an einem Fluss sitzend und kauernd. Wie der Titel andeutet, handelt es sich um eine symbolische Darstellung des Judentums als vertriebenes, trauerndes Volk. Nach der Fertigstellung wurde das Gemälde in der Berliner Galerie Fritz Gurlitt ausgestellt, wo es Carl Gustav Henneberg erwarb und wenige Jahre später dem Görlitzer Museum vermachte.