Wer als Europäer eine Wüstentour in Ägypten bucht, wünscht sich meist ein kleines Abenteuer mit Netz und doppeltem Boden. Große Wasserkanister, mehrere wüstentaugliche Fahrzeuge, Satellitentelefone, ein bewaffneter Begleiter und ortskundige Reiseführer sollen davor schützen, in der Wüste verloren zu gehen, überfallen zu werden oder zu verdursten. Doch für die elf Touristen aus Deutschland, Italien und Rumänien, die gestern nach Tagen der Angst in der Gewalt von Entführern freikamen, wurde aus dem Urlaub in der Einsamkeit vorübergehend ein echtes Abenteuer, also ein "Wagnis mit offenem Ausgang".

Dass dieses Wagnis letztlich glimpflich für sie endete, war in den vergangenen Tagen keineswegs sicher gewesen. Die Touristen haben also allen Grund erleichtert zu sein, als sie in Kairo aus dem Flugzeug steigen, wo ihnen ein ägyptisches Empfangskomitee weiße Blumen überreicht. Und die Erleichterung ist ihnen auch anzusehen. Sie winken, schütteln Hände und lachen.

Der italienische Außenminister Franco Frattini erklärte nach der Ankunft der befreiten Wüstenurlauber in Ägypten, es sei kein Lösegeld bezahlt worden. "Es wurde getan, was getan werden musste: zusammenarbeiten und die Verlagerung der Geiseln durch die Entführerbande verfolgen." Dazu habe Libyen einen großen Teil beigetragen, betonte er. Ein Augenzeuge am Flughafen in Kairo sagte der Nachrichtenagentur Ansa, die Touristen schienen alle in guter gesundheitlicher Verfassung zu sein.

Während die Bundesregierung kurz nach der Entführung eine Nachrichtensperre verhängte, drangen eine Woche lang täglich die merkwürdigsten Berichte und Erklärungen zur Identität der Entführer, zur angeblich geforderten Lösegeldsumme und zum Aufenthaltsort der Geiseln aus den verschiedenen afrikanischen Hauptstädten. Erst war von Lösegelderpressern die Rede, dann von Rebellen aus Darfur. Erst hieß es, die Entführer seien aus dem Tschad, dann hieß es, sie seien Sudanesen.

Quer durch die Wüste, von einem Land zum anderen, zogen die Kidnapper mit ihren Geiseln. "In dieser Gegend sind die Grenzen offen, es gibt keine Kontrollen und keine Visa", erklärt Ali Jussif, Sprecher des Außenministeriums in Khartum. Wo es nichts gibt außer Sand und Fels, ist die Staatsmacht nicht präsent. Und diese Einsamkeit, fernab der Zivilisation ist es ja letztlich auch, die Wüstenurlauber dazu bringt, Geld und Zeit in eine beschwerliche Reise ohne Dusche und gekühltes Bier zu investieren.