"Wir hatten angesichts mancher gefährlichen Lage bei der Absicherung der Wahlen im Kongo viel Glück, dass wir nicht zwischen die Fronten der rivalisierenden Bewerber um das Präsidentenamt geraten sind", erklärten Teilnehmer der zweiten in die Heimat zurückgekehrten Gruppe gestern auf dem Köln-Bonner Flughafen in Wahn. Die Offiziere zeigten sich "sehr zufrieden", dass sie bei ihrer Mission Erfahrungen für künftige EU-Einsätze im Ausland sammeln konnten. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sprach bei der Begrüßung der Soldaten von einem "Tag der Freude für die Bundeswehr".
Rund 2000 Soldaten aus 18 europäischen Ländern waren vor vier Monaten zur Absicherung der Wahlen in das Herz Afrikas geflogen, um der kongolesischen Bevölkerung nach über 40 Jahren Bürgerkrieg zu einer demokratischen Zukunft zu verhelfen. Die Bundeswehr hatte 780 Soldatinnen und Soldaten gestellt. Mehrere waren auch im benachbarten Gabun stationiert, um im Notfall zu Hilfe zu eilen. Die EU habe beim Kongo-Einsatz gelernt, rasch eine gemeinsame Truppe aufzustellen, flexibel mit Befehlsstäben in Europa und vor Ort in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa die Einheiten zu führen und unter schweren Bedingungen jede Situation "aus dem Stand zu meistern", schilderten Offiziere.

Lob für Flexibilität
Beim EU-Gipfel 1999 in Köln hatten die Franzosen durchgesetzt, dass Europa militärisch in der Lage sein müsse, in aller Welt autonom zu handeln, unabhängig von der westlichen Vormacht USA und auch von der Nato. Seither befindet sich die "Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik" (ESVP) im Aufbau. Der deutsche Generalleutnant Karlheinz Viereck kommandierte die EU-Kongo-Truppe von dem EU-Operationshauptquartier in Potsdam aus. Das Kommando vor Ort im EU-Feldhauptquartier in Kinshasa hatte der französische Divisionsgeneral Christian Damay. Dadurch sei eine "hohe Flexibilität" des Einsatzes erreicht worden, hieß es in Potsdam.
Nach der ersten Runde der Präsidentenwahl gab es für die Eufor-Soldaten eine besonders gefährliche Lage. Die Parteigänger des Amtsinhabers Joseph Kabila und seines Herausforderers Jean-Pierre Bemba lieferten sich tagelang erbitterte Schießereien. Über 30 Menschen kamen ums Leben. Bei einem anderen Vorfall beschoss die Präsidentengarde von Kabila die Residenz von Bemba, der gerade 14 ausländische Diplomaten zu Gast hatte. Soldaten der EU-Truppe brachten die Diplomaten in Sicherheit. "Wir hatten Glück, dass wir nie in die Verlegenheit kamen, gegen die im Kongo agierenden Kindersoldaten vorgehen zu müssen", erläuterten EU-Offiziere.

Heiligabend zu Hause
"Wir sind überzeugt davon, dass unser bedachtes Vorgehen entscheidend dazu beigetragen hat, die Wahlen im Kongo zu einem Erfolg zu führen", erklärte der Sprecher des Potsdamer EU-Hauptquartiers, Oberst Michael Knop. Jetzt gehe es darum, alle Soldaten "heil nach Hause zu bringen". Die letzten von ihnen sollen am 22. Dezember zu Hause sein. Es habe "sehr vertrauensbildend" gewirkt, dass die Soldaten, wie von Jung versprochen, am Heiligabend wieder zu Hause sind.
Im Parlament herrscht großes Aufatmen. Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Bernd Siebert, unterstrich, Deutschland habe mit dem Kongo-Einsatz dazu beigetragen, die militärische Handlungsfähigkeit der EU "eindrucksvoll unter Beweis zu stellen". Die FDP-Wehrexpertin Birgit Homburger betonte, ihre Partei erwarte jetzt von der Bundesregierung, dass sie "endlich ein Interesse daran zeigt, wie es politisch im Kongo weitergeht, und deutlich macht, wie sie zu einer politischen Stabilisierung auch nach dem Abzug der EU-Truppen beitragen will" .