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Glaube, Gleichgültigkeit und fromme Beter

Der Glaube verschiebt sich ins Private: Über religiöse Themen wird meist zuerst im Familienkreis gesprochen.
Der Glaube verschiebt sich ins Private: Über religiöse Themen wird meist zuerst im Familienkreis gesprochen. FOTO: dpa
Potsdam. De r Evangelischen Kirche schmilzt die Mitte weg: Immer mehr Kirchenmitglieder sind entweder hoch engagiert oder völlig desinteressiert. Das ist das Ergebnis der fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche in Deutschland, die der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider am Donnerstag in Berlin der Öffentlichkeit vorstellte . Benjamin Lassiwe

Für die Studie hatte das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid 2000 Kirchenmitglieder, 565 ausgetretene Kirchenmitglieder und 446 Konfessionslose befragt, die noch nie einer Religionsgemeinschaft angehörten. Der Untersuchung zufolge fühlen sich 15 Prozent der Kirchenmitglieder ihrer Kirche "sehr verbunden". 1992 waren das nur elf Prozent. "Überhaupt nicht verbunden" fühlten sich dagegen 14 Prozent der Kirchenmitglieder. 1992 waren das noch neun Prozent. "Wir müssen ganz nüchtern konstatieren, dass es eine zunehmende Indifferenz bei Kirchenmitgliedern gibt", sagte Schneider. Zwar bewertete es Schneider am Donnerstag als Erfolg, dass 75 Prozent der Kirchenmitglieder einen evangelischen Pfarrer wenigstens dem Namen nach kannten. Doch tatsächlich sagt die Untersuchung eben auch: 25 Prozent der Kirchensteuerzahler wissen nicht einmal, wie ihr Pfarrer heißt. Stolz sein kann die Kirche darauf wahrlich nicht .

Ohnehin scheinen die Pfarrer nicht mehr die natürlichen Gesprächspartner für religiöse Themen zu sein. Auf die Frage, mit wem man darüber spreche, antworteten 78 Prozent der befragten Kirchenmitglieder "mit dem Ehepartner", 53 Prozent "mit der Familie" und nur 21 Prozent "mit kirchlichen Mitarbeitenden". Der Glaube verschiebt sich also zunehmend ins Private.

Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hob indes das hohe Engagement vieler Kirchenmitglieder für die Gesellschaft hervor. Dadurch entstehe Vertrauen. "Personen, die sich religiös engagieren, sind auch in anderer Hinsicht besonders aktiv im Ehrenamt", sagte der Theologe. Auch das Engagement der Diakonie erfahre hohe Anerkennung in der Gesellschaft. Doch oft würden weder Kirchenmitglieder noch Konfessionslose die Diakonie als Teil der Kirche wahrnehmen - ein weiteres Problem, um dessen Lösung sich Deutschlands Protestanten in den nächsten Jahren zu bemühen haben.