Die Gewerkschaften wollen heute pünktlich um 13.30 Uhr eine Protestaktion vor dem Bundeskanzleramt gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa starten. Zu dieser Zeit werden sich die EU-Staats- und Regierungschefs oder ihre Stellvertreter in der Berliner Machtzentrale versammeln, um genau über dieses brisante Thema zu diskutieren.

Dabei suchten deutsche Regierungskreise am Dienstag den Eindruck zu zerstreuen, dass es sich nur um ein weiteren europäischen Gipfel nach dem Motto "Außer Spesen nichts gewesen" handeln wird. Erwartet würden auch konkrete Selbstverpflichtungen einzelner Krisenstaaten.

Lange Zeit hat die EU das Thema Jugendarbeitslosigkeit wie eine Randnotiz behandelt. Dabei war in Spanien schon Ende der 1990er-Jahre mehr als jeder vierte Bürger zwischen 15 und 25 Jahren arbeitslos, in Griechenland sogar jeder dritte. Mittlerweile sind daraus jeweils fast 60 Prozent geworden.

Allerdings fängt das Problem der "verlorenen Generation" schon mit der statistischen Erfassung an. Die genannten Zahlen messen nämlich den Anteil der Arbeitslosen an allen Jugendlichen, die eine Arbeit haben oder suchen. Schüler und Studenten bleiben damit außen vor.

Legt man dagegen die gesamte Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen als Bezugsgröße zugrunde, dann liegt die Jugenderwerbslosigkeit in Spanien aktuell bei 20,6 und in Griechenland bei 16,1 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland kommt bei dieser Betrachtung auf einen Anteil von lediglich 5,6 Prozent.

Dass viel zu viele Jugendliche in den Krisenländern keinen Job haben, ist unter den EU-Mitgliedern inzwischen Konsens. Vor wenigen Tagen hatte die EU deshalb beschlossen, innerhalb der nächsten zwei Jahre sechs Milliarden Euro in die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu stecken.

Doch die Arbeitsverwaltungen seien letztlich "in nationaler Verantwortung", wie ein deutscher Regierungsmitarbeiter betonte. In Griechenland zum Beispiel gibt es noch nicht einmal eine institutionelle Beratung, um jungen Leuten bei der Jobsuche zu helfen. In den Niederlanden wiederum setzen die Behören voll auf das Internet, um Jugendliche in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dagegen hat die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg die Erfahrung gemacht, dass junge Arbeitslose kaum etwas mit einer elektronischen Job-Börse am Hut haben und deshalb umso mehr die Kommunikation mit dem Arbeitsvermittler benötigen. Auch die Chefs der nationalen Arbeitsverwaltungen nehmen an dem Gipfel teil. Geht es nach der Bundesregierung, dann sollen die Krisenländer insbesondere vom Modell der dualen Berufsausbildung lernen.

Doch die in Deutschland bewährte Kombination aus Schule und betrieblicher Arbeit setzt nach Überzeugung von Experten ein gutes Zusammenspiel zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern voraus. In Deutschland ist die Lehrlingsvergütung tarifvertraglich geregelt. In den allermeisten anderen EU-Ländern können die jungen Leute davon nur träumen.

Um ein vergleichbares Ausbildungssystem in wenigstens jedem zweiten EU-Mitgliedstaat zu etablieren, kann es nach Schätzung von Fachleuten etwa zehn Jahre dauern. Kein Wunder, dass sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, die ebenfalls beim Gipfel im Kanzleramt dabei ist, am Dienstag auch nicht auf einen Zeitpunkt für eine Halbierung der Jugendarbeitslosigkeit festnageln lassen wollte. Die Politik allein könne keine Jobs schaffen, sagte die CDU-Frau.

So spricht einiges dafür, dass die Staats- und Regierungschefs heute ohne viel Konkretes auseinander gehen. Auch deshalb hat der DGB schon mal vorsorglich zum Protest geblasen.