Wer ihn mit dem radioaktiven Gift Polonium 210 vergiftet habe, werde "nach dem jetzigen Stand der Dinge wohl für immer im Dunkeln bleiben", war am Wochenende aus Geheimdienstkreisen in London und Berlin zu erfahren. Litwinenko gab auf seinem Sterbebett in London dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Schuld. Westliche Sicherheitsexperten sehen Russland unter Kontrolle der Geheimdienste, die Putin "mit allen Mitteln zur Verfolgung seiner Gegner" ausgestattet habe.
Die gerade ausgesprochene Bitte um Polizeischutz des in Frankreich lebenden früheren russischen Geheimdienstagenten Jewgeni Limarjow bestätigt die gefährliche Situation. Limarjow sagte unter Bezug auf seine Quellen, die Ermordung Litwinenkos sei "zu 99 Prozent von Russland" ausgegangen. Nach Darstellung Limarjows, der in Verbindung zu Litwinenko stand, ist die Moskauer Organisation von Geheimdienstveteranen "Ehre und Würde des Vaterlandes" in den Mittelpunkt von Spekulationen geraten. Die Stiftung wurde vom Londoner "Daily Telegraph" beschuldigt, in die Vergiftung von Litwinenko verwickelt zu sein. Ihr Präsident Walentin Welitschko, der zur Zeit des Kalten Krieges die Nato ausspioniert hat, bezeichnete Litwinenko als "einen Verräter, der nationale Interessen preisgegeben hat". Welitschko, der das "ausdrückliche Wohlwollen von Putin" genieß en soll, verwies darauf, "dass sich alles in der Umgebung von Beresowski abspielt". Ein Hinweis, der von westlichen Geheimdiensten "sehr ernst genommen wird".
Boris Beresowski hatte bei der Umwälzung Russlands ein riesiges Vermögen angehäuft. Er unterstützte seinerzeit Boris Jelzin auf seinem Weg zur Staatsspitze. Vor sechs Jahren ging der Milliardär nach dem Zerwürfnis mit Putin ins Londoner Exil. Von der britischen Hauptstadt aus machte der Ex-Oligarch schnell Front gegen das Putin-Regime, das er zuvor selbst aufs Schild gehoben hatte. Beresowski wurde der Gönner von Litwinenko, der ihm nach London gefolgt war.
Der britische Geheimdienst MI6 bringt Beresowski in Verbindung mit Bemühungen, in London eine Exil-Regierung zusammenzustellen, die bei den Wahlen 2008 für die Ablösung Putins sorgen soll. Auch im Haus von Beresowski wurden Spuren von Polonium 210 gefunden. Entwarnung dagegen bei der Ex-Frau von Litwinenkos-Kontaktmann Dmitri Kow tun, ihrem Lebensgefährten und einem ihrer Kinder seien keine Rückstände der radioaktiven Substanz Polonium 210 nachweisbar, teilten die Hamburger Gesundheitsbehörde.