Nähere Angaben dazu machte Tiefensee, der unmittelbar vor der Stadtratssitzung von Giesen informiert wurde, nicht. Giesen selbst ließ gestern erklären, er werde keine Stellungnahme zu der internen Prüfung abgeben. Der Bericht soll laut CDU-Generalsekretär Hermann Winkler noch in dieser Woche vorgelegt werden.
Ursprünglich wollte Kaminski vor dem Stadtparlament zu Vorwürfen gegen seine Person Stellung beziehen. Er steht wegen unsauberer Parteispenden und einem millionenschweren Vermittlungsvertrag für das Leipziger Zentralstadion in der Kritik. Nach dem Willen von Tiefensee soll der 49-Jährige Gelegenheit erhalten, den CDU-Bericht zur Kenntnis zu nehmen, bevor er sich äußert. Außerdem will auch der Oberbürgermeister die Aussagen in Ruhe würdigen. Danach plant der SPD-Politiker ein weiteres Gespräch mit dem Kämmerer. Vorher wollten sich weder Kaminski noch Tiefensee äußern.
Auch die CDU zeigte sich zurückhaltend. "Wir wollen dem Oberbürgermeister die Chance geben, die Dinge zu ordnen", sagte Generalsekretär Winkler und bezeichnete die Situation als ernst. "Wir müssen die Probleme lösen, die wir haben", sagte Winkler. Dasselbe erwarte er von Tiefensee bei amtsinternen Vorgängen. "Wir sitzen alle in einem Boot."
Die CDU in Leipzig zeigte sich ebenfalls überrascht über die Entwicklung. "Offensichtlich haben sich in den Gesprächen, die Giesen Anfang der Woche geführt hat, noch neue Fakten ergeben", sagte der stellvertretende CDU-Kreisverbandschef Robert Clemen. Ihm seien aber keine neuen Details bekannt. Für die Bewertung sei es wichtig, die Leipziger CDU einzubeziehen. "Manches stellt sich aus der Außensicht anders dar und führt zu Missverständnissen", sagte Clemen.
Die CDU-Landesspitze hatte vor einer Woche die Suspendierung von Kaminski gefordert. Tiefensee sah dafür bislang keine Rechtsgrundlage.
Nach Aussage von Leipzigs Oberstaatsanwalt Norbert Röger verfolgt seine Behörde nach wie vor die Vorermittlungen gegen Peter Kaminski. Auch er warte nun auf den Giesen-Bericht. Sollte sich daraus ein Anfangsverdacht ergeben, würde die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eröffnen. (dpa/ddp/gb)