„Ein idealer Standort“, lobt der Mann. Kran und Medienanschlüsse sind in den ehemaligen Fahrzeughallen erhalten geblieben. Und Fachkräfte glaubt der Unternehmer in der Region, die eine lange Metallverarbeitungstradition besitzt, schnell zu finden. Ist also alles in Ordnung drei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr, 300 Jahre nach Beginn der Militärtradition in Schneeberg?

Im dritten Anlauf hatte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das 50 Hektar große Areal 2009 verkauft, für zwei Millionen Euro, wofür ihr der Bund der Steuerzahler den „Schleuder-Sachsen“ verlieh. Fast 70 Millionen waren bis zum Schließungsbeschluss 2007 in den Ausbau investiert worden. Der Ansprechpartner des Neusser Interessenten sitzt im bayerischen Kirchham, betreibt dort die Firma Gis-Solar und hat schon zwei Kasernen erworben. Der 70-jährige Gustav Struck ist ein Unternehmer alter Schule und genießt in Schneeberg inzwischen Vertrauen. Er vermietet bewusst, anstatt scheibchenweise zu verkaufen, und sucht sich seriöse Interessenten aus, die Arbeitsplätze schaffen sollen.

Heute braucht man schon etwas Fantasie, um sich noch Soldaten auf dem Gelände vorzustellen. Nur die Wohngebäude mit ihren Spitzdächern können ihren Kasernencharakter nicht verbergen. In den ehemaligen Fahrzeughallen haben sich eine Lackiererei, eine „Bürstenbude“, ein Bilderrahmenhersteller und weiteres Gewerbe angesiedelt. Alle südseitigen Dächer hat Struck an andere Solarunternehmen vermietet. Der Kletterturm ist verkleidet, die Sickergruben sind zu Biotopen umgestaltet worden.

Das Stabsgebäude mit 16 Hörsälen, die riesige Kantine, die Sportplätze, Sporthalle, Kegelbahn, Sauna und vor allem die 25-Meter-Schwimmhalle wirken so, als könnten sie schon morgen wieder in Betrieb genommen werden. Doch gerade diese Verwaltungs-, Wohn- und Sozialgebäude sind das Problem. „Für eine Schule wären sie optimal“, sagt nicht nur Struck. Aber allein die Unterhaltung der Schwimmhalle würde jährlich eine Viertelmillion Euro kosten. Das überfordert interessierte lokale Sportvereine. Und die adventliche Kaninchenzüchterausstellung in der Turnhalle ist nicht mehr als eine Behelfsnutzung.

Bürgermeister Frieder Stimpel (CDU) hat es eigentlich satt, nochmals die Folgen des Bundeswehr-Abzugs für eine Region zu schildern, die mit dem Ende des Uranbergbaus der Wismut 1990 schon einmal nahezu aussichtslos zurückgeworfen wurde. Kaufkraft und Steuereinnahmen sind gesunken, Soldatenfamilien weggezogen. „Der demografische Wandel ist regional noch verschärft worden“, sagt Stimpel.