Wer auf dem Flugplatz Neuhardenberg östlich von Berlin landet, denkt, es geht aufs Wasser. Rechts und links der Start- und Landebahn recken sich Solarplatten zum Himmel. Es sieht aus wie ein riesiger See, durch den sich die Piste zieht. "Es ist die größte Solaranlage Europas, mehr als 200 Fußballfelder groß", sagt Uwe Hädicke. Er managt für die Firma Airport Development den Standort östlich von Berlin. Der Flugplatz, einst vom DDR-Militär betrieben, ist in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden und nach wie vor bei Privatleuten und Geschäftsreisenden gefragt.

Während im Berliner Speckgürtel Anwohner und Kommunen gegen den Hauptstadtflughafen BER wettern, bekannten sich die Neuhardenberger frühzeitig zu ihrem Flugfeld. Eine Bürgerinitiative setzte sich dafür ein, dass große Passagiermaschinen landen sollten. Ryanair war im Gespräch. Ein ganzes Dorf träumte seinerzeit vom Fliegen. Doch daraus wurde zunächst nichts. Die Genehmigung blieb versagt. 2007 kaufte ein dänischer Investor das Gelände. Er betreibt seit 2010 den Flughafen in Cochstedt in Sachsen-Anhalt. Zu dieser Zeit war es auf den Berliner Flughäfen recht eng, sagt Hädicke. "Da wollten wir Leistungen für die Hauptstadtregion anbieten." Bis heute lässt die Öffnung des krisengeschüttelten neuen Flughafens Berlin Brandenburg auf sich warten. Doch die Neuhardenberger fanden erst einmal mit der Produktion von Solarstrom eine Nische. Eine riesige Fläche mit Solarpanels kann seit vorigem Jahr Strom für gut 40 000 Haushalte erzeugen.

Geflogen wird dort aber trotzdem weiter. Rund 2000 Starts und Landungen verzeichnet die Geschäftsführung jährlich, Tendenz steigend. "Der Tower ist zwar klein, funktioniert aber", berichtet der Manager, der seit 2009 am Flugplatz arbeitet. In der Zeit davor gehörte Hädicke zur Bürgerinitiative, die sich für den Ausbau des Platzes engagierte.

Inzwischen hat der Flugplatz eine Genehmigung für Starts und Landungen rund um die Uhr. "Die hat der BER nicht", bemerkt Hädicke. Eine Boeing 737 könne problemlos landen. Die Berliner Flughäfen sieht der Manager als Partner. "Wir können kooperieren, sie müssen ihre Bedürfnisse formulieren. Bei Überlastungen oder Notfällen könnten wir helfen. Es sind nur zehn Flugminuten."

BER-Chef Hartmut Mehdorn brachte die Chefs der Regionalflugplätze rund um Berlin an einen Tisch. "Es ging um Erfahrungsaustausch, um Chancen für eine Kooperation der Partner", erläutert der 44-jährige Hädicke. Er wertet die Initiative Mehdorns als Quantensprung, verglichen damit, wie bisher von Berlin auf die Flugplätze im Umland geblickt wurde. Im Herbst schlossen sich 14 Flughäfen und -plätze in Berlin und Brandenburg zusammen und gründeten den Verband FlyBB - Luftfahrt in der Metropolregion Berlin Brandenburg.

Auch Prominente haben Neuhardenberg schon genutzt. 2013 landete der damalige britische Außenminister William Hague. "Wir haben hier alles gemacht, von der Betreuung bis zur Sicherheit", sagt Hädicke stolz. Auch Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl kam einst hier an, wie seine Nachfolgerin Angela Merkel oder Bundesministerin Ursula von der Leyen (CDU). Planmäßigen Linienverkehr werde es nicht geben, es sei denn, dass Berlin dafür Bedarf anmelde, erläutert Hädicke.