Das Opfer der Tat, die seit Mittwoch vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichtes Cottbus verhandelt wird, kann erst an einem späteren Verhandlungstag als Zeuge erscheinen. Der 50-Jährige sei noch in einer Klinik zu einer erneuten Hauttransplantation, teilt sein Anwalt mit, der ihn als Nebenkläger vertritt. Die Aussage des durch Brandwunden schwer verletzten Mannes könnte neben dem gerichtsmedizinischen Gutachten eine wichtige Rolle in dem Prozess spielen.

Auf der Anklagebank sitzt Nick J., ein 37-jähriger Russlanddeutscher, der den Mann mitten in der Nacht in seiner Wohnung mit Benzin übergossen und angezündet haben soll. Die Staatsanwaltschaft hat ihn deshalb wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung angeklagt. Als Motiv sieht die Anklage Eifersucht, denn in der Wohnung des Brandopfers befand sich die getrennt von Nick J. lebende Ehefrau.

Der Vorsitzende Richter Frank Schollbach gibt zum Prozessbeginn bekannt, dass sogar eine Verurteilung wegen versuchten Mordes in Betracht gezogen werden könnte. Dazu werde jedoch, wenn erforderlich, rechtzeitig im Verfahren ein entsprechender rechtlicher Hinweis gegeben, kündigt er an.

Der Angeklagte, der seit der Tat in Untersuchungshaft sitzt, gibt vor Gericht zu, in der Märznacht gewaltsam in die Wohnung in Schönewalde eingedrungen zu sein. Vor der Tür hatte er das Auto seiner Frau entdeckt, die sich ein halbes Jahr vorher von ihm getrennt hatte, und die er nicht aufgeben wollte. Die beiden hatten 2000 in Kasachstan vor ihrer Übersiedlung nach Deutschland geheiratet und haben zwei gemeinsame Kinder.

Weil seine Frau nach Anrufen auf ihrem Handy nicht vor die Tür gekommen sei, habe er erst die Glasscheibe der Wohnungstür und dann eine weitere Tür zum Wohnbereich eingeschlagen, schildert er den Anfang der dramatischen Ereignisse in Schönewalde. Die Benzinflasche und einen feuerzeugartigen Brenner habe er aus dem Auto mitgebracht, als er dort Werkzeug zum Öffnen der Tür gesucht habe.

Wie es zum Ausbruch des Feuers gekommen sei, daran kann sich Nick J. jedoch vor Gericht nicht erinnern. Er habe sich mit dem anderen Mann "geschubst", dann habe er die Benzinflasche, die er vor der Tür abgestellt habe, geholt und mit Flasche und Feuerzeug vor ihm gestanden. Dann habe alles gebrannt. Vielleicht sei ihm die Benzinflasche heruntergefallen.

"Es tut mir sehr leid, ich wollte das so nicht", versichert der Angeklagte. Er habe nur mit seiner Frau reden wollen. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, worüber er denn nach einem halben Jahr Trennung so dringend mit ihr reden wollte, kann er keine Antwort geben. Auch was er nach seinem gewaltsamen Eindringen in der Wohnung vorhatte, kann er nicht erklären.

Das Benzin und den Brenner habe er aus dem Auto nur mitgenommen, um den anderen Mann zu erschrecken. Warum er nach der "Schubserei" in der Wohnung noch mal zur Tür gegangen sei, um die dort abgestellte Benzinflasche zu holen, will Richter Schollbach wissen. "Das weiß ich nicht", so der Angeklagte.

Als die noch nicht von ihm geschiedene Frau des Angeklagten als erste Zeugin im Gerichtssaal Platz nimmt, sitzt Nick J. nach einem entsprechenden Gerichtsbeschluss in einem Nebenzimmer. Über eine Videokamera kann er die Aussage seiner Frau verfolgen.

Die befindet sich seit Monaten in psychotherapeutischer Behandlung und soll aus medizinischen Gründen vor einer persönlichen Begegnung mit dem Angeklagten geschützt werden. Sie schildert das langsame Zerbrechen der Ehe durch Streitereien. Um den Kindern den Vater zu erhalten, habe sie lange gezögert, sich zu trennen.

Doch im Herbst 2014 sei sie aus der gemeinsamen Wohnung in Bayern ausgezogen. Verwandtschaftliche Bindungen in die Nähe von Herzberg führten sie aber immer wieder in die Lausitz, wo sie ihren neuen Freund kennengelernt hatte. Im Februar habe es noch mal ein Gespräch mit ihrem Mann gegeben, bei dem sie ihm eindrücklich klar gemacht habe, dass sie nicht zu ihm zurückkehren will.

Er sei dabei gegen ihren Willen in ihrer Wohnung geblieben und habe sie vergewaltigt. "Ich habe nicht geschrien, um die Kinder nicht zu wecken", sagt die 35-Jährige, der es spürbar schwerfällt, darüber zu sprechen. Sie wollte, dass ihr Mann für die Söhne "ein guter Mensch" bleibe.

Wie es genau dazu kam, dass ihr Freund in der Märznacht am ganzen Oberkörper brannte, konnte sie dem Gericht nicht sagen. Als ihr Mann die Tür eintrat, sei ihr Freund ihm aus dem Schlafzimmer entgegengelaufen. Sie sei erst völlig schockiert zurückgeblieben. Dann habe sie Kampfgeräusche gehört.

Als sie in Richtung Flur lief, stand ihr Freund schon in Flammen, auch die Hände ihres Mannes brannten. Weil der sich ihr zuwandte, wich sie zurück, um nicht auch noch angezündet zu werden und rief die Polizei.

Der Prozess wird nächste Woche Donnerstag fortgesetzt.