Dadurch gibt es keine nächtlichen Misshandlungen unter den Gefangenen mehr wie vor Jahren, als die alte Haftanstalt Spremberg (Spree-Neiße) mit Vier-Mann-Zellen noch Jugendknast war. Dort ereignete sich auch ein Drittel der insgesamt von 2000 bis 2006 in Brandenburg registrierten Gewalttätigkeiten in der Jugendhaft.
In Sachsen ist zurzeit die Hälfte der jungen Gefangenen nachts allein untergebracht. Mit der neuen Jugend-JVA in Regis-Breitingen wird auch in Sachsen der Einzelhaftraum zum Normalfall. Doch dass Einzelzellen allein keine Garantie für Unversehrtheit sind, zeigt ein Fall aus Wriezen.
Im November vorigen Jahres verurteilte das Landgericht Frankfurt (Oder) mehrere Jugendliche, die bereits in der JVA Wriezen einsaßen, wegen gefährlicher Körperverletzung und sexueller Nötigung. Die fünf Häftlinge hatten im April 2005 einen Bediensteten dazu gedrängt, sie in die Zelle von zwei Mitgefangenen zu lassen. Obwohl die beiden ausdrücklich verlangt hatten, niemanden zu ihnen hinein zu lassen, schloss der Beamte auf. Dann ließ er die Männer drei Stunden lang allein. In dieser Zeit wurden die zwei Häftlinge von den fünf Eindringlingen, darunter ein Mörder und ein anderer Gewalttäter, geschlagen, gewürgt und getreten. Einem der Opfer wurde ein Stuhl auf die Hand gestellt, auf den ein anderer sprang.
Auch wenn solche brutalen Übergriffe selten geworden sind, wie groß das Ausmaß von Gewalt unter jugendlichen Häftlingen in Brandenburg und Sachsen ist, weiß niemand genau. „Manchmal hat jemand ein blaues Auge, will aber nicht sagen, woher“ , beschreibt Rudolf Groß, Abteilungsleiter Jugendvollzug in Cottbus-Dissenchen, die weit verbreitete Angst. „Die fürchten, dann noch mehr abzubekommen.“ Einfluss nehmen könne man nur da, wo man Misshandlungen auch mitbekommt.
Wie zum Beispiel in den Pausenräumen der Ausbildungsbereiche in Cottbus-Dissenchen nach der Inbetriebnahme der neuen Anstalt im Jahr 2002. „Dort waren die Gefangenen allein und es kam zu Bedrohungen und Quälereien“ , erinnert sich Anstaltsleiter Günter Tübben. Als Konsequenz wurde Personal aus den Hafthäusern abgezogen und in den Ausbildungsbereich gesteckt. Auf dem Freistundenhof gebe es trotz Aufsicht auch immer wieder mal „Kloppereien.“
Gern würde die Anstalt noch mehr gegen Gewalt unter den Gefangenen unternehmen, doch auch das hängt am Personal. „Wenn wir mehr Leute hätten, könnten wir beim Aufschluss“ genauer hinschauen. Das ist die Zeit am Nachmittag, in der die Zellentüren unverschlossen sind und die Gefangenen, 18 auf einem Flur, sich gegenseitig besuchen können.
Pro Flur sind dabei zwei Beamte anwesend, die jedoch auch Häftlinge zum Besucherraum oder zur Arztsprechstunde begleiten müssen. Tübben wünscht sich, dass sich immer ein Bediensteter pro Flur beim Aufschluss unter der Gefangenen aufhalten könnte. „Dann würden wir mehr mitbekommen. Jetzt bemerken wir manches zu spät, um eingreifen zu können.“